Hannah Arendt 1949

„Es steht uns frei, die Welt zu verändern und in ihr etwas Neues anzu­fan­gen.“

Han­nah Arendt (in:...

 vollständiges Zitat
frauenORT Kontakt:

Christina Orthen, Gleichstellungsstelle Stadt Hannover

frauenORT Kontakt:

Dr. Sabine Meschkat-Peters, Hannah-Arendt-Tage

Sie ist eine der wichtigsten politischen Theoretiker*innen des 20. Jahrhunderts. In ihrem Werk verbindet sie politisches Urteilsvermögen mit philosophischer Reflexion: Vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrung als Verfolgte des Nationalsozialistischen Regimes beschäftigt sie sich mit den Gefahren totalitärer Systeme für das menschliche Zusammenleben. Die politische Gestaltung des öffentlichen Raums steht im Zentrum ihres Denkens. Für Arendt ist der Sinn von Politik das gemeinsame Handeln in Freiheit.

> Lebenslauf

Lebenslauf

1906 Hannah Arendt wird am 14. Oktober in Hannover-Linden geboren. Sie wächst in einem jüdisch-sozialdemokratischen Elternhaus auf.

1909 Umzug der Familie nach Königsberg

1924 bis 1928 Studium der Philosophie, Evangelischen Theologie und Klassischen Philologie in Marburg, Freiburg und Heidelberg, u. a. bei Martin Heidegger, Edmund Husserl und Karl Jaspers.

1928 Promotion mit der Arbeit „Der Liebesbegriff bei Augustin“.

1933 Machtübernahme der Nationalsozialisten. Verhaftung durch die Gestapo (Geheime Staatspolizei). Nach ihrer Freilassung Emigration nach Paris. Dort arbeitet Arendt für die Jugend-Aliyah und Jewish Agency, die jüdische Jugendliche auf ein Leben in Palästina vorbereitet.

1937 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft. Arendt wird staatenlos.

1940 Nach der deutschen Besatzung Frankreichs Internierung im Lager Gurs (Südfrankreich), aus dem sich Arendt befreien kann. Heirat mit Heinrich Blücher (1899-1970).

1941 Flucht in die Vereinigten Staaten von Amerika.

1944 bis 1946 Arbeit für die Commission on European Jewish Cultural Reconstruction, die den Wiederaufbau der jüdischen Kulturlandschaft in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg vorbereitet.

1946 bis 1949 Lektorin im Salman Schocken Verlag New York

1949 bis 1952 Geschäftsführerin der Jewish Cultural Reconstruction, Inc., die auffindbare erbenlose Kulturgüter an jüdische Einrichtungen übergibt. Erste Nachkriegsreise nach Europa (1949/1950).

1951 „Origins of Totalitarianism“ (deutsch 1955 „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“)

1951 Nach langen Jahren der Staatenlosigkeit wird Arendt US-amerikanische Staatsbürgerin.

ab 1953 Lehrverpflichtungen an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten, u. a. an der Princeton University, am Brooklyn College New York sowie an der New School for Social Research New York.

1958 „The Human Condition“ (deutsch 1960 „Vita activa oder Vom tätigen Leben“) 1959 Arendt erhält den Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg.

1961 Arendt nimmt als Reporterin für den New Yorker am Gerichtsprozess in Jerusalem gegen den SS-Offizier und NS-Täter Adolf Eichmann teil, der für die Deportation von mehreren Millionen europäischer Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager verantwortlich war und zum Tode verurteilt wird.

1963 Die Publikation „Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil“ (deutsch 1964 „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“) löst eine heftige internationale Kontroverse aus.

1963 „On Revolution“ (deutsch 1965 „Über die Revolution“)

1963 bis 1967 Professur an der University of Chicago 1967 Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt

1967 bis 1975 Professur an der New School for Social Research in New York

1970 „On Violence“ (deutsch 1970 „Macht und Gewalt“)

1975 Arendt erhält den dänischen Sonning-Preis für Beiträge zur europäischen Kultur.

1975 Tod am 4. Dezember 1975 in New York

 

Das Denken Hannah Arendts und die Gegenwart

Hannah Arendts politische Theorie mit den Schwerpunktthemen Menschenrechte, Politik in pluralen Gesellschaften und ihre Bedrohungen durch autoritäre Regime ist aktueller denn je. Die derzeitige Destabilisierung von Demokratien durch gezielte Desinformation, Fake-News und Cyberangriffe lässt sich mit Arendt analysieren und kritisieren. Ihr Verständnis von Politik als Sorge um die Welt betont die Bedeutung kommunikativer Macht, um demokratische Vielfalt zu schützen. Ihre Thesen sind bis heute streitbar und bleiben umso lebendiger und anschlussfähiger. In Zeiten globaler Krisen und Konflikte kann das Denken Arendts Hoffnung und Zuversicht vermitteln.

Text: Dr. Diana Häs, Prof. Dr. Franziska Martinsen, Dr. Sabine Meschkat-Peters

Kulturtouristische Angebote

Hannah-Arendt-Raum
Stadtbibliothek Hannover
Zitate und Fotos auf einem biografischen Zeitstrahl sowie eine Auswahl ihrer Werke, Briefwechsel mit Freundinnen und Freunden und biografische Literatur veranschaulichen Leben und Werk der Philosophin. Auf einem in die Ausstellung integrierten Monitor sind die wichtigsten Internetseiten zum Thema sowie Filmsequenzen mit Hannah Arendt zu sehen und zu hören.
Öffnungszeiten: täglich während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek 
> weitere Informationen


Stadtrundgang
Frauen, die sich trauen
Geführter Rundgang zu weiblichen Persönlichkeiten, die sich mutig den Widrigkeiten stellten. 
StattReisen Hannover
> Informationen und Buchung


Gedenktafeln

Stadtbibliothek Hannover, Hildesheimer Str. 12

Lindener Marktplatz 2 (Geburtshaus), Hannover-Linden


HANNAH ARENDT TAGE
Jährlich stattfindende Veranstaltungsreihe rund um Arendts Geburtstag im Herbst, die ein aktuelles Thema aus Politik und Gesellschaft zur Debatte stellt, um es im Sinne Arendts zu diskutieren.
> mehr Informationen und Veranstaltungen


Hörbeitrag
WDR ZeitZeichen: Todestag der Philsophin Hannah Arendt
Hörbeitrag 05.11.2020, von Jutta Duhm-Heitzmann 
> hier anhören


Hörbeitrag
rbb Podcast: Hannah Arendt - endlich verstehen
Sechs Folgen: mit der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan, der Philosophin Monika Boll, dem Historiker Werner Renz, der Soziologin Sabine Hark, dem Philosophen Heiner Bielefeldt, der Kunsthistorikerin Chana Schütz.
> hier anhören


Literatur:

Grit Straßenberger 2025:
Die Denkerin: Hannah Arendt und ihr Jahrhundert
München: C.H. Beck

Willi Winkler 2025:
Hannah Arendt. Ein Leben
Hamburg: Rowohlt

Maike Weißpflug 2024:
Hannah Arendt. 100 Seiten
Ditzingen: Reclam

Thomas Meyer 2023:
Hannah Arendt
München: Piper

Ken Krimstein 2019:
Die drei Leben der Hannah Arendt
München: dtv

Elizabeth Young-Bruehl 2004:
Hannah Arendt. Leben, Werk und Zeit
Frankfurt/M.: Fischer

 

Der frauenORT Hannah Arendt in Hannover entstand in Kooperation mit der Landeshauptstadt Hannover, HANNAH ARENDT TAGE, dem Referat für Frauen und Gleichstellung sowie der Stadtbibliothek Hannover und wurde im Juni 2026 eröffnet.

 

hoch