Anna von Vörden

„Dat wy dus­sen Man unt­schlaghen wer­den, he deynt uns nycht un steyt uns ovele.“ 

("Dass wir die­sen...

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frauenORT Kontakt:

Maria Veldboer

Sprecherin der kfd-Region Grafschaft Bentheim

0152 2870 8166

Sie leistete Widerstand gegen die Reformation durch einen übermächtigen protestantischen Landesherrn, den Grafen von Bentheim. Anna von Vörden war Äbtissin eines Benediktinerinnen-Klosters im Zeitalter der Reformation. Ihre Herkunft und der damit verbundene Adelsstand versetzte sie in die Lage, als Äbtissin viele wirtschaftliche, weltliche und diplomatische Angelegenheiten ihres Klosters eigenständig zu regeln. Sie nutzte diese Möglichkeit, um die Rechte der Frauen ihrer Community, des Benediktinerinnenklosters Wietmarschen, vor dem Zugriff der Reformatoren zu schützen. Durch ihre wirtschaftlichen und organisatorischen Aktivitäten stellte sie unter Beweis, dass die Frauen in ihrem Kloster auch ohne die Aufsicht des Grafen erfolgreich agieren konnten. Ihren diplomatischen Fähigkeiten und ihrem geschickten Taktieren ist es zu verdanken, dass das Kloster Wietmarschen seinen katholischen Glauben unter einem protestantischen Landesherrn bewahren konnte.

> Lebenslauf

Lebenslauf

Anna von Vörden wurde 1480 als Tochter einer Adelsfamilie im Münsterland geboren und trat in der Zeit um 1500 in das Benediktinerinnenkloster Wietmarschen in der Grafschaft Bentheim ein.

Seit 1504 leitete sie als sogenannte „Kellnerin“ den Wirtschaftsbetrieb des Klosters und zeichnete für die Finanzen verantwortlich. Sie organisierte Baumaßnahmen, Immobiliengeschäfte und Rechtsangelegenheiten. Seit 1515 ist sie dann über viele Jahrzehnte als Äbtissin des Klosters nachweisbar.

Ein wichtiges Bauprojekt war der Errichtung einer eigenen Mühle für das Kloster. Darüber kam es zu einem Streit mit dem Grafen von Bentheim. Als die Mühle 1520 schließlich genehmigt wurde, ließ Anna von Vörden sie direkt auf der Landesgrenze zum Münsterland errichten, so dass auch die münsterischen Bauern ihr Korn dort mahlen lassen konnten, ohne einen Zoll an den Grafen entrichten zu müssen. Diese List der Klosterfrau gegenüber dem Landesherrn lebt in der örtlichen Überlieferung bis heute fort.

Auch in diplomatischer Mission war Anna von Vörden unterwegs und schlichtete 1538 im Kapitelhaus zu Wietmarschen einen Grenzstreit mit dem Grafen von Tecklenburg. 1549 regelte sie erneut Grenzfragen zwischen der Grafschaft Bentheim und dem Münsterland.

1544 führte der Graf von Bentheim in seinem Gebiet die protestantische Lehre ein und wollte bald auch das Kloster Wietmarschen in ein vom Landesherrn kontrolliertes evangelisches Damenstift umwandeln. 1547 sandte er einen Prediger nach Wietmarschen, um dort die lutherische Lehre einzuführen. Bei einigen Nonnen traf der damit durchaus auf Sympathie. Es gelang Anna von Vörden aber mit großem diplomatischem Geschick, unter Anführung von wirtschaftlichen und rechtlichen Gründen den Prediger abzuweisen, ohne in einen offenen Konflikt mit dem Grafen zu geraten.

Ein Jahr später forderte der Graf die Herausgabe der Gründungsurkunde und der Rechnungslegung. Er wollte einen Aufseher über das Kloster ernennen, die Stellen zukünftig selber besetzen und das Gericht im Klosterbezirk halten. Außerdem erließ er eine neue Kleider- und Speiseordnung, obwohl diese Dinge durch die Ordensregeln eindeutig festgelegt waren. Die Äbtissin ging hierauf nicht ein, sondern rief den Bischof von Münster als Schutzherrn des Klosters an. Der Graf musste klein beigeben und 1549 wurde festgelegt, dass in Wietmarschen alles beim Alten bleiben könne. Auf diese Weise blieb Wietmarschen eine katholische Enklave in der protestantischen Grafschaft Bentheim.

Anna von Vörden starb 1555 in Wietmarschen. Eine Klosterchronik aus dem 16. Jahrhundert enthält viele Nachrichten über ihr Leben und Wirken und hebt ihre hohen Verdienste um den Erhalt des Klosters hervor.

Anna von Vörden war eine Frau im Zeitalter der Reformation. Ihre adelige Herkunft und ihren Stand als Äbtissin nutzte sie, um die Frauen ihres Klosters vor wirtschaftlichem Schaden und dem Zugriff des protestantischen Landesherrn zu schützen. Dabei handelte sie diplomatisch geschickt und mitunter auch listig. So gelang es ihr, die Rechte der Klosterfrauen zu wahren und den Übergriffen der weltlichen Potentaten zu trotzen. Damit war sie ihren Nachfolgerinnen bis zur Aufhebung des Stiftes im Jahre 1811 ein Vorbild und gilt noch heute als die große Frau in der Geschichte Wietmarschens.


Text: Dr. Andreas Eiynck

Kulturtouristische Angebote

Ortsrundgänge

> Wanderweg „Anna von Vörden Weg“
Fuß- und Radweg, ca. 2 km von der Stiftskirche zur Wietmarscher Mühle

> Spazierweg (Rundweg) durch den „Stiftsbusch“ (Forstgebiet mit Kapellen)

> „Glaubensweg“ von Lohne nach Wietmarschen (Pilgerweg)


Stift Wietmarschen
Besichtigung der Stifts- und Wallfahrtskirche, des Stiftsbezirks und des Stiftsmuseums

Stiftscafé in einem der früheren Stiftsgebäude

Führungen durch die Stifts- und Wallfahrtskirche, den Stiftsbezirk und das Stiftsmuseum
Anmeldung: Tel. 05925 - 397 
> Heimatverein Wietmarschen


Wietmarscher Mühle
Besichtigung und Führungen durch die Wietmarscher Mühle, Möglichkeiten zur Vorführung der Sägenmühle

Fahrradtour
> Radrouten-Wegenetz „Grafschafter Fietsentour“

Weitere Informationen:
Website des > Heimatverein Wietmarschen

Website des > Heimatverein Lohne (Wietmarschen)

 

Der frauenORT Anna von Vörden – Wietmarschen ist in Kooperation mit der kfd-Region Grafschaft Bentheim entstanden und wurde am 17. Mai 2026 eröffnet.

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