Cato Bontjes van Beek wandte sich gegen die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes. Aufgewachsen im Künstlerort Fischerhude, schloss sie sich in Berlin einer Widerstandsgruppe an, die die Gestapo als „Rote Kapelle“ bezeichnete. Nach elf Monaten in Haft wurde sie 1943 hingerichtet. Die Briefe der 22-Jährigen aus der Todeszelle zeugen von einem festen Glauben an das Leben. An die Widerstandskämpferin erinnert heute das Cato-Archiv im Cato Bontjes van Beek-Gymnasium Achim.
„Schade, dass ich nichts auf der Welt lasse als nur die Erinnerung an mich.“ Cato Bontjes van Beek hinterließ die Erinnerung an sich durch ein Leben, das dem Widerstand gegen das NS-Regime gewidmet war.
Sie wurde am 14. November 1920 als Kind einer Künstlerfamilie in Fischerhude geboren. Ihre Mutter Olga war Tänzerin und Malerin, der niederländische Vater Jan Bontjes van Beek Keramiker. Sie wurde in geistiger Freiheit, zu Toleranz und zur Liebe zur Natur erzogen. Das weltoffene Elternhaus war Treffpunkt sowohl der Worpsweder Künstlerinnen und Künstler als auch überregionaler Künstler und Denker der Zeit. In jungen Jahren war Helmut Schmidt häufig zu Gast. Cato wurde von Clara Rilke-Westhoff portraitiert, es bestanden verwandtschaftliche Beziehungen zu Otto Modersohn und eine Freundschaft der Familie zu dem hannoverschen Philosophen Theodor Lessing. Das freie Aufwachsen in der ländlichen Umgebung prägten ihre Kindheit und obwohl in ihrem Elternhaus der christliche Glaube nicht prägend war, führte der evangelische Pastor des Ortes sie an die christliche Religion heran und legte den Grundstein zu einem Glauben, aus dem sie während ihres späteren Lebensweges Kraft schöpfte.
Als neunjähriges Mädchen ging Cato Bontjes van Beek für zwei Jahre nach Amsterdam zur Familie ihres Vaters und lernte Niederländisch. Mit 16 Jahren verbrachte sie ein halbes Jahr als Au-Pair-Mädchen in England, bevor sie mit 17 Jahren nach Berlin zog. Dorthin war ihr Vater nach der Scheidung der Eltern umgesiedelt. Sie arbeitete in Berlin in der Keramikwerkstatt ihres Vaters und in verschiedenen anderen Firmen im kaufmännischen Bereich. Ebenso erfüllte sie sich in der Hauptstadt ihren langgehegten Traum vom Fliegen, absolvierte eine Ausbildung zur Segelfliegerin und trat dafür der NS-Frauensegelfluggruppe bei. Zugleich kamen sowohl Cato als auch ihre Schwester Mietje im Haushalt des Vaters mit Gegnern des NS-Regimes in Kontakt.
Im neuen großstädtischen Umfeld knüpfte sie Kontakte zu jungen Widerstandskämpfern und schloss Freundschaft mit dem jungen Schriftsteller und Journalisten Heinz Strelow. Gemeinsam schlossen sie sich dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime an, den die Gestapo unter dem Sammelnamen „Rote Kapelle“ in ihren Akten führte. Cato verteilte Flugblätter, in denen die Widerstandskämpferinnen und -kämpfer zur Beendigung des Krieges und zum Sturz des Regimes aufriefen. Außerdem organisierte sie zusammen mit ihrer Schwester Mietje Hilfe für französische Kriegsgefangene, ukrainische Zwangsarbeiterinnen und half verfolgten jüdischen Menschen.
Am 20. September 1942 wurde sie gemeinsam mit ihrem Vater und Heinz Strehlow verhaftet. Während der Vater nach drei Wochen wieder freikam, wurde gegen Heinz Strehlow und Cato Bontjes van Beek der Prozess eröffnet. Am 18. Januar 1943 wurde Cato wegen „Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats und zur Feindbegünstigung zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte“ verurteilt. Gnadengesuche für sie und Heinz Strehlow wurden, z. T. durch Adolf Hitler persönlich, abgelehnt. Heinz Strehlow wurde am 13. Mai 1943 hingerichtet, Cato Bontjes van Beeks Urteil wurde Anfang August 1943 vollstreckt.
Während ihrer Haft gelang es Cato, Briefe an einen Mithäftling zu schreiben. Die beiden Gefangenen kannten sich vor der Haft nicht, nutzten jedoch den heimlichen Austausch, um ihre Gedanken mitzuteilen. Diese Briefe ermöglichen heute einen Einblick in ihre Verfassung, während der mehrere Monate andauernden Haftzeit und belegen den Trost, den sie durch ihren Glauben fand. Sie zeugen von großer Standhaftigkeit, Menschlichkeit und Nächstenliebe.
Am 5. August 1943 wurde Cato Bontjes van Beek in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet. In der Kirche ihres Heimatdorfes Fischerhude ließ der Lilienthaler Superintendent Anfang September 1943 ein Totengeläut läuten und verkündete Catos Tod im Gottesdienst verbunden mit einer Fürbitte für sie. Diese Demonstration der Verbundenheit mit der jungen Frau führte zu seiner Verhaftung durch die Gestapo und einem vierwöchigen Gefängnisaufenthalt.
Erst 1999 wurde das gegen Cato Bontjes van Beek verhängte Todesurteil nachträglich als nationalsozialistisches Unrecht eingestuft und damit aufgehoben.
An das kurze Leben Cato Bontjes van Beek erinnern heute das nach ihr benannte Gymnasium in Achim, ein 2009 verlegter Stolperstein vor ihrem letzten Wohnhaus in Berlin-Charlottenburg, ein Gedenkstein auf dem Familiengrab in Fischerhude und nicht zuletzt ein ihr gewidmeter Weg in Fischerhude.
Text: Dr. Gudrun Heuschen
Weitere Informationen zu Cato Bontjes van Beek finden Sie in diesem
> Flyer zum Dowload.
Ortsrundgang durch Fischerhude
Auf den Spuren Cato Bontjes van Beeks.
Faltblatt für selbstorganisierte Touren
> Download
oder zum Bestellen über:
Gleichstellungsbeauftragte Marlies Meyer (Ottersberg) mmeyer@flecken-ottersberg.de und Dr. Angelika Saupe (Achim) a.saupe@stadt.achim.de
Geführter Ortsrundgang durch Fischerhude
Auf den Spuren Cato Bontjes van Beeks in Fischerhude
Geführte Tour mit der Kunsthistorikerin Petra Dzudzek-Edler, pdzudzek@gmx.de, Ingrid Stelter, info@ver-fuehrungen.de
Cato Bontjes van Beek-Archiv
im Cato Bontjes van Beek-Gymnasium / Achim
Führungen: verwaltung@gymnasium-achim.de
> Link zum Archiv
Der Cato Bontjes van Beek-Radweg führt gute 17 km von Fischerhude nach Achim und ist durch die orange frauenORTE-Routenplakette gekennzeichnet. An drei Standorten informieren Tafeln über das Leben und Wirken der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek.
> Website zum Cato-Radweg
Geführte Fahrradtour
zum frauenORT Cato Bontjes van Beek, Achim – Fischerhude und zurück:
Gleichstellungsbeauftragte, mmeyer@flecken-ottersberg.de und a.saupe@stadt.achim.de
"Leben will ich, leben, leben"
- Die junge Frau, die gegen die Nazis kämpfte und ihr Leben ließ.
von Cato Bontjes van Beek / Hermann Vinke (Hrsg.), Elisabeth Sandmann Verlag
ISBN 9783945543801
Das Buch wendet sich insbesondere an junge Leserinnen und Leser, um ihnen die NS-Vergangenheit und den Widerstand nahezubringen.
Die Text-Beiträge hat der Cato-Biograph und Journalist Hermann Vinke aus Bremen zusammengestellt, ehemaliger ARD-Auslandskorrespondent und Programmdirektor von Radio Bremen. Das Material stammt aus dem Archiv von Saskia Bontjes van Beek, der Tochter von Catos Bruder Tim.
Eine 80-minütige Filmproduktion unter der Leitung von Helge Burggrabe, Flötist und Komponist. Mitwirkende sind u.a. Schauspieler*innen Julia Jentsch und Christoph Jöde sowie das Frauen-Vokalensemble „Sjaella“ aus Leipzig,
Film-Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Usjk6oC9Rb0
Träger*innen: Flecken Ottersberg, Evangelische Kirchengemeinde und der Kulturverein musica innova e.V.
Unterstützer*innen: Landschaftsverband Stade, Weser-Aller-Bündnis für Demokratie und Zivilcourage (Wabe e.V.), Brüning’s Scheune in Fischerhude, Stadt Achim, Netzwerk Erinnerungskultur im Landkreis Verden, AG frauenORT Fischerhude/Achim.
Vorführung des CATO Konzertfilms zum Buchen
„Die Liebe zu allen werde ich dalassen“
Film-Abend zur Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek (1920-1943)
> Informationen, Ideen, Materialien für ein CATO Filmgespräch
Elisabeth Bremekamp
bremekamp@burggrabe.de
Tel. 0171 2733208
Text-Musik-Collage zur Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek (1920-1943)
mit Julia Jentsch, Christoph Jöde, Lorenz Meyboden und dem Vokalensemble SJAELLA
> Informationen zur Konzertlesung und Buchung
Almut Jöde, Kulturbüro Burggrabe
kontakt@burggrabe.de
Tel. 04293 3275062
10-jähriges Jubiläum frauenORT Cato Bontjes van Beek - Fischerhude / Achim
> Download der Jubiläumsbroschüre als pdf.
Der Flecken Ottersberg, die Stadt Achim und die Cato Bontjes van Beek-AG luden zum Jubiläum mit Preisverleihung am 6. September 2024 in die Aula des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums in Achim ein.
Den Festvortrag "Was heißt „Erinnern“ in einer vielfältigen Gesellschaft und in Zeiten politischer Radikalisierung?" hielt Dr. Elke Gryglewski, Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen und Geschäftsführerin der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten.
Lange Nacht über die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek, ausgestrahlt zuletzt am 05.08.2023.
Die Text-Beiträge hat der Cato-Biograph und Journalist Hermann Vinke aus Bremen zusammengestellt, ehemaliger ARD-Auslandskorrespondent und Programmdirektor von Radio Bremen. Gesprochen werden die Textbeiträge von dem Schauspieler Lorenz Meyboden aus Fischerhude.
> Link zur Sendung
Der frauenORT Cato Bontjes van Beek ist eine Kooperation mit der Stadt Achim, dem CATO-Archiv im Cato van Beek-Gymnasium und dem Flecken Ottersberg (Fischerhude) und wurde im September 2014 in Fischerhude eröffnet.