Anke Hamker,
Gleichstellungsbeauftragte Gemeinde Bad Essen
Gräfin Else von dem Bussche-Ippenburg, geb. von Arnim, nannte es „ihr“ Pflegehaus. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie 1873 ein Grundstück für den Bau des Bad Essener Pflegehauses gestiftet. Sie folgte damit ihrer Maxime: „Beten ist gut, helfen ist besser“. Gräfin Else gründete einen Frauenverein, mit je einer Vorstandsdame pro Ortschaft und monatlichen Treffen, bei denen besprochen wurde, wo Hilfe nötig war. Ihr Engagement galt Alten und Kranken, Witwen und Waisen, aber auch Kriegsflüchtlingen und Kriegsheimkehrern. Ein besonderes Anliegen war ihr die Wöchnerinnenfürsorge.
Gegen Bedenken der ausschließlich männlichen Gemeindevorsteher setzte sie sich hartnäckig und unerschrocken mit politischem Einfluss und persönlichem finanziellem Einsatz durch.
Else von Arnim wurde am 17. März 1834 in ein pietistisches Elternhaus in Berlin geboren. Ihre Eltern waren von frommer Religiosität und ihre Ziehmutter, Marie Fürstin zu Wied, die sie nach dem frühen Tod der Mutter 1846 „als ihr Himmelsgeschenk“ bezeichnete, galt ebenfalls als religiös, dabei großzügig und klug.
Ihr Vater, Heinrich Alexander von Arnim-Suckau, preußischer Gesandter in Neapel, Brüssel und Paris, ein enger Jugendfreund des preußischen Königs Friedrich-Wilhelm IV., der zugleich liberale Anschauungen vertrat, bewegte sich kultiviert und gewandt zwischen Aristokraten und Gelehrten in den zur Zeit des Biedermeier angesagten noblen Salons. Else von Arnims Kindheit war also geprägt von einem gebildeten und welterfahrenen Umfeld, sowie politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich engagierten Menschen.
1855 heiratete sie Friedrich Wilhelm Graf von dem Bussche-Ippenburg, genannt von Kessel, 1867 zogen sie auf das von ihnen erbaute Schloss Ippenburg bei Bad Essen. Insgesamt hatte das Paar elf Kinder, davon vier Söhne und sieben Töchter, von denen eine bereits sehr jung starb. Von Schloss Ippenburg aus widmete sich Gräfin Else neben der eigenen Familie und dem Hausstand sozialen Projekten und setzte sich insbesondere für die Betreuung älterer und pflegebedürftiger Menschen ein.
Auslöser für eine umfangreiche Stiftung eines Pflegehauses war der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich 1870/71. Mit ihm stieg in kurzer Zeit die Zahl an verwundeten, erkrankten und pflegebedürftigen Soldaten und Zivilisten und zugleich der Bedarf an Lazaretten und ausgebildetem Pflegepersonal. Am 25. Juli 1870 teilte Graf von dem Bussche-Ippenburg in Wittlage mit, dass einige Zeit zuvor ein „Localverein für das Amt Wittlage zur Pflege verwundeter und erkrankter Kriegsteilnehmer“ gebildet worden war. Vereine dieser Art waren Vorläufer der humanitären Rot-Kreuz-Gesellschaften, die während des Deutsch-Französischen Krieges zum ersten Mal neutrale Ambulanzen einrichteten und nach der erst wenige Jahre alten Genfer Konvention als Hilfsgesellschaft unter internationalem Schutz standen. Der Verein führte in allen Dörfern des Altkreises Wittlage monatliche Sammlungen durch, um die Geldmittel für die Kriegsinvaliden einzusetzen. Die Not der verletzten Kriegsteilnehmer aus den ärmeren Bevölkerungsschichten war damals unvorstellbar groß.
Gegründet wurde gleichzeitig ein Frauenverein, der für die Bereitstellung von Lazarettgegenständen und Heil- und Hilfsmittel sorgen wollte. Vorsitzende dieses Frauenvereins wurde Gräfin Else von dem Bussche-Ippenburg.
Mit der Entwicklung bürgerlichen Engagements und dem Entstehen der ersten Frauenvereine zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand vor allem für Frauen der adligen und bürgerlichen Gesellschaftsschicht eine Möglichkeit, sich auf sittengemäße und schickliche Art außerhalb des eigenen Haushaltes zu betätigen. Die Frauenvereine widmeten sich meist wohltätigen Zwecken und waren fürsorgerisch tätig.
Auch Gräfin Else wirkte wohltätig und setzte sich in vielfältiger Weise für die Bedürftigen ein. 1873 wurde ihr die Verwaltung von Zinsen einer mildtätigen Stiftung übertragen. Ergänzt um erhebliche Finanzmittel aus ihrem persönlichen Besitz richtete sie gemeinsam mit ihrem Gatten eine umfangreiche Stiftung ein, mit der in Wittlage, heute ein Ortsteil der Gemeinde Bad Essen, ein Grundstück erworben sowie ein Pflegehaus gebaut und eingerichtet werden konnte. Das Haus bot 30 Frauen und Männern einen Pflegeplatz und wurde ab 1878 von alten Frauen und Männern bezogen. Schwestern des Henriettenstiftes aus Hannover übernahmen die Aufgaben und Leitung dieser Einrichtung. Berichte zeugen davon, dass Gräfin Else keineswegs nur als mildtätige Unterstützerin wirkte, sondern häufig patent und unerschrocken unmittelbar in der Krankenpflege tätig war.
Seit dem Entstehen wurde das Gelände kontinuierlich weiter ausgebaut. Neben alten und dauerhaft erkrankten Menschen wurden bald auch akut Kranke sowie Wöchnerinnen aufgenommen und Operationen durchgeführt. Als dritte Aufgabe betrieb das Pflegehaus bis in die 1920er-Jahre ein Kurhaus für Kinder, die als so genannte „Badekinder“ zunächst aus der Region, später auch aus ferneren Regionen den Sommer im Pflegehaus verbrachten. Gräfin Else war es dabei ein besonderes Anliegen, dass arme Familien, insbesondere Kinder aus armen Familien, kostenfrei versorgt wurden. Darüber hinaus widmeten sich die Schwestern des Henriettenstiftes der Gemeindepflege und suchten Wöchnerinnen, Kranke und Bedürftige jeder Art zu Hause auf. Auch im Pflegehaus wurden regelmäßig Veranstaltungen mit nahrhaftem Essen, Kaffee und Kuchen durchgeführt, bei denen Gräfin Else vorlas und erzählte.
Der Gedanke des Pflegehauses, ein Ort der Fürsorge, der Gemeinschaft und Nächstenliebe zu sein, trieb Gräfin Else bis ins hohe Alter an, Verbesserungen vorzunehmen und sich für bedürftige Mitmenschen einzusetzen. Nach dem Tod ihres Mannes 1897 lebte sie auf der Leuchtenburg in Eielstädt, heute ein Ortsteil von Bad Essen. Sie starb am 5. Januar 1919 im Alter von 85 Jahren in ihrem Witwensitz. In ihrem Nachruf stand: „Besser wie Gebete aber sind lebendige Liebeswerke! Wer Liebe säet, wird Liebe ernten.“
Das Pflegehaus wurde in Trägerschaft der Henriettenstiftung Hannover durch Diakonissen geleitet. Mit ihnen wirkten erstmals qualifizierte und in der Pflege ausgebildete Frauen. Über 100 Jahre fanden im Ippenburger Pflegehaus – damals an der Lindenstr. 91, angrenzend zum Gelände des heutigen Altenzentrums Simeon und Hanna – Frauen und Kinder in Notlagen, alte, kranke, geflüchtete und erholungsbedürftige Menschen eine Zuflucht auf Zeit. Heute vertritt das DRK die Interessen von Menschen, die der Hilfe und Unterstützung bedürfen, um soziale Benachteiligung, Not und menschenunwürdige Situationen zu beseitigen. In Bad Essen Wittlage ist an der Lindenstr. 193 mittlerweile das DRK Sozialzentrum entstanden.
Rundweg "Gräfin Else"
Lebensstationen mit Infotafeln
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Münzprägung
Motiv 2026 Gräfin Else
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Konzert „Ein Sonnenleben – Gräfin Else"
Die Geschichte der Gräfin Else von Arnim und ihrer Zeit (1834-1919)
Ein kammermusikalisches Singspiel zum Buchen.
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Kulinarisches
„Gräfin-Else-Torte“ als Angebot in der > Konditorei Titgemeyer
baeckerei.titgemeyer@osnanet.de
DRK Sozialzentrum und Wittlager Mahlzeit
Lindenstr. 193, Bad Essen-Wittlage
Unter dem Motto “Begegnung bei der Wittlager Mahlzeit“ wird jeden Mittwoch zwischen 12 und 14 Uhr ein kostenloser Mittagstisch angeboten. Das Angebot ist für jede/n, für Alleinstehende, ältere Menschen, für Bedürftige und für alle, die gerne eine Mahlzeit in unterhaltsamer Gesellschaft einnehmen möchten. Das Einkommen spielt keine Rolle. Die „Wittlager Mahlzeit“ ist ein gemeinschaftliches Projekt des DRK, der ev.-luth. Kirchengemeinden, der SELK und der Kath. Kirchengemeinde Bad Essen. Alle Mitwirkenden arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich. Das Projekt finanziert sich durch Spenden.
Ein weiteres Herzstück im DRK Sozialzentrum ist die Kleiderkammer. Bundesweit versorgen viele DRK Kleiderkammern Millionen von Menschen mit gut erhaltener Kleidung und Schuhen und vielen weiteren Gütern zur materiellen Grundversorgung. So auch die Kleiderkammer in Bad Essen Wittlage.
Der frauenORT Gräfin Else ist in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde Bad Essen und dem DRK Bad Essen entstanden und wurde am 04.09.2026 eröffnet.