Porträt Martha Fuchs

„Nie­mals nach­las­sen in dem Kampf um die Frei­heit, das ist heute so nötig wie damals."

Mar­tha Fuchs, 1945

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frauenORT Kontakt:

Gedenkstätte Friedenskapelle Braunschweig, Regina Blume

Oft war sie die Erste in einem Amt. Martha Fuchs' langjährige politische Karriere in der Kommunal- und Landespolitik begann bereits in der Weimarer Republik. 1923 trat sie in die SPD ein. In der NS-Zeit litt sie unter Verfolgung und war im KZ Ravensbrück inhaftiert. Als Ministerin für Bildung und Wissenschaft des Landes Braunschweig als erste Ministerin im Nachkriegsdeutschland sowie als Flüchtlingskommissarin des neugeschaffenen Landes Niedersachsen führte sie ihre politische Karriere in der Nachkriegszeit fort. Zwischen 1959 und 1964 war Martha Fuchs Oberbürgermeisterin Braunschweigs. In ihrem politischen Wirken setzte sie sich für Bildung, Gerechtigkeit und Partizipation ein.

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Lebenslauf

In ihrer Antrittsrede als Oberbürgermeisterin der Stadt Braunschweig formulierte Martha Fuchs ihre politische Maxime, unter der ihre Politik wirken sollte: „Der Mensch muss im Fokus der Politik stehen.“

Als Martha Büttner 1892 in Grubschütz bei Bautzen geboren wurde, war noch nicht abzusehen, zu welch großem politischen Einfluss sie es in ihrem Leben bringen würde. Als Tochter des Gastwirts Carl Büttner und seiner Frau Johanne Marie kam sie bereits früh mit dem Arbeitermilieu in Berührung. Ihr Vater, ein Mitglied der SPD, vermietete den großen Saal seines Lokals der SPD und den Gewerkschaftern für Versammlungen. Themen wie Lohnfragen, Arbeitszeit und die Rechte der Arbeiter wurden diskutiert, und Martha bekam früh einen Eindruck von den Problemen der Arbeiterklasse im Kaiserreich.

Sie war erst 13 Jahre alt, als ihre Mutter starb, und musste für ihre vier jüngeren Geschwister die Rolle der Ersatzmutter übernehmen. Dies prägte sie: Auch als Politikerin wurde sie später als mütterlich und zugewandt beschrieben. Durch den Verlust der Mutter war das Leben von Martha Büttner durch harte Arbeit geprägt, sie besuchte die Bürgerschule und arbeitete abends in der Gastwirtschaft. Es folgte ein einjähriger Kurs an der Handelsschule und mit nur 16 Jahren Berufstätigkeiten als Kontoristin in Jena und Leipzig.

1919 heiratete sie mit 27 Jahren den verwitweten Redakteur der „Magdeburger Volksstimme“ Georg Fuchs, den sie bereits aus Bautzen kannte. Mit der Eheschließung wurde sie Stiefmutter für seine drei Kinder. Die Tochter Nora bezeichnete dies später als „großes Glück“.

Der SPD-nahe Georg Fuchs erhielt 1922 eine Stelle bei der SPD-Zeitung „Volksfreund“ in Braunschweig und wurde später Chefredakteur des Parteiorgans. Somit zog die Familie nach Braunschweig um und wohnte dort im „Volksfreundhaus“, das von der SPD und den Gewerkschaften erbaut worden war. 1923 trat Martha Fuchs in die SPD ein.

Ehrenamtlich arbeitete sie als Armenwaisenpflegerin und im Jugendamt. Bereits zwei Jahre später wurde sie 1925 als Stadtverordnete Mitglied im Rat der Stadt Braunschweig. Zu dieser Zeit gab es insgesamt drei weibliche Abgeordnete. Martha Fuchs setzte sich insbesondere für soziale Fragen, Bildung und Gesundheit ein. Sie kämpfte für die Einrichtung von Kindergärten und Belange der Schul- und Bildungspolitik, und ermutigte andere Frauen immer wieder, sich politisch zu engagieren.

Ihr politischer Weg führte sie von 1927 bis 1930 in das Amt der Landtagsabgeordneten, als 1930 nach kurzer und schwerer Krankheit ihr Mann verstarb. Als Gewerbeaufseherin gelang es ihr bis 1933, der Familie ein Einkommen zu verschaffen.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde sie jedoch aufgrund ihrer SPD-Zugehörigkeit entlassen, und auch die Witwenrente wurde ihr verwehrt. Während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes war sie Beobachtung und Verfolgung durch die Regierungspartei ausgesetzt. Unter anderem als Vertreterin für „Grude-Kochherde“ mit eigenem Geschäft gelang es ihr, die Familie zu ernähren. Ihr Ladengeschäft wurde zum Treffpunkt der SPD-Genossen und Genossinnen. Auch Frauen von KZ-Inhaftierten trafen sich hier.

Das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler im Juli 1944 führte zu einem Rachefeldzug an ehemaligen Mandatsträgern der SPD, KPD und Gewerkschaftsmitgliedern, die noch nicht verhaftet waren. In diesem Zusammenhang wurde Martha Fuchs am 22. August 1944 gemeinsam mit anderen Braunschweigern und Braunschweigerinnen verhaftet und in das Arbeits- und Erziehungslager Salzgitter-Hallendorf gebracht. Im Oktober 1944 folgte die Überstellung in das Konzentrationslager Ravensbrück. Als im April 1945 ein Todesmarsch der KZ-Insassinnen angeordnet wurde, gelang Martha Fuchs die Flucht nach Berlin, wo sie vorübergehend bei Otto Grotewohl und seiner Familie unterkam.

Die Inhaftierung hatte Martha Fuchs‘ Gesundheit nachhaltig beeinträchtigt, trotzdem kehrte sie bereits im August 1945 nach Braunschweig zurück und wurde kommunal- und landespolitisch aktiv. Die britische Militärregierung setzte sie im Mai 1946 als Volksbildungsministern im Land Braunschweig ein. Damit war sie die erste Nachkriegsministerin in einem Bundesland und setzte sich für den Wiederaufbau, Demokratisierung und sozialpolitische Themen ein.

In den Jahren 1947 und 1948 war sie erste Flüchtlingskommissarin in Niedersachen. Allerdings wurden ihr für das herausfordernde Amt weder finanzielle Mittel noch Kompetenzen zugestanden. Martha Fuchs erntete viel Kritik, weil sie ihre Aufgabe aufgrund dieser Umstände nicht meistern konnte und erkrankte schließlich. Nach ihrer Genesung war sie von 1949 bis 1951 erste Frau als Vorsitzende eines SPD-Bezirks.

1959 wurde Martha Fuchs zur ersten und bis heute einzigen Oberbürgermeisterin Braunschweigs gewählt. Bundesweit war sie die zweite gewählte Oberbürgermeisterin und blieb bis 1964 im Amt. In ihrer Amtszeit gelang es ihr, den Wohnungsbau entscheidend voranzutreiben. Sie setzte Schulbauten um, investierte in Bildungseinrichtungen und schloss für Braunschweig mehrere Städtepartnerschaften. Dass der Bau der Stadthalle in ihre Amtszeit fiel, trug dem Gebäude den Namen „Fuchsbau“ ein. Umstritten ist bis heute ihre Rolle am Abriss des Braunschweiger Schlosses, das nach dem Krieg eine Ruine war.

Martha Fuchs wurde aufgrund ihrer Verdienste 1962 mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Großen Verdienstkreuz ausgezeichnet. 1964 wurde ihr die Ehrenbürgerwürde der Stadt Braunschweig verliehen. Am 8. Januar 1966 verstarb sie in Braunschweig.

Kulturtouristische Angebote

Stadtrundgang zum Selbstentdecken
Martha Fuchs, 1892-1966. Ein Spaziergang durch ihre Stadt
Faltblatt für einen selbstorganisierten Stadtrundgang zum Herunterladen > HIER.


Geführter Stadtrundgang
Martha Fuchs
Vom „Volksfreundhaus“, dem ehemaligen SPD-, Gewerkschafts- und Pressehaus, in dem Familie Fuchs zunächst in Braunschweig wohnte, geht es zu mehreren Orten, die bedeutsam sind im Zusammenhang mit Martha Fuchs, u.a. in die Leonhardstraße, wo sich die hiesige Konsumzentrale, der Volkskindergarten und die Gestapo-Zentrale befanden, dann weiter durch die Münzstraße zum Rathaus und zum ehemaligen Regierungsgebäude am Bohlweg und schließlich zum Schlossplatz.
Termine nach Absprache.
Kontakt: > Gedenkstätte Friedenskapelle


Weitere Informationen zu Martha Fuchs
Einen ausführlichen Lebenslauf finden Sie auf der Website der
> Gedenkstätte Friedenskapelle.


Der frauenORT Martha Fuchs entstand in Kooperation mit der Gedenkstätte Friedenskapelle, dem Gleichstellungsreferat der Stadt Braunschweig, dem Stadtarchiv Braunschweig und dem Kulturdezernat der Stadt Braunschweig, dem SPD-Bezirk Braunschweig u.a. und wurde am 01. Oktober 2022 eröffnet.

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