Die Regentin konnte die Eigenständigkeit des Jeverlandes durch eine geschickte Politik im Inneren und Äußeren erhalten und ausbauen. Sie entwickelte eine Landesherrschaft, die sich an den zeitgemäßen Standards fürstlich regierter Staaten orientierte. Ihre Residenz wandelte sich zur befestigten Stadt mit einer repräsentativen Schlossanlage im Stil der Renaissance. Maria von Jever ließ Küstengebiete eindeichen und führte eine neue Rechtsordnung ein. Für die Ausbildung zukünftiger Beamter gründete sie eine Lateinschule, das heutige Mariengymnasium Jever.
Dass Maria von Jever als Regentin die Unabhängigkeit des Jeverlandes erfolgreich verteidigen, für kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Fortschritt sorgen und damit zur Identifikationsfigur des Jeverlandes werden sollte, konnte bei ihrer Geburt am 5. September 1500 nicht vorausgesehen werden.
Als drittes Kind des Häuptlings Edo Wiemken des Jüngeren und seiner Frau Heilwig von Oldenburg war sie zunächst nicht für die Herrschaftsübernahme vorgesehen. Ihre Mutter starb bereits, als Maria von Jever ein Jahr alt war, ihr Vater 1511. Für die Kinder hatte das Paar vorgesorgt und den Onkel Graf von Oldenburg mit der Vormundschaft betraut. Dieser setzte fünf von Edo Wiemken bestimmte Dorfoberhäupter als Regenten ein. Politisch führte die Regentschaft der Dorfoberen jedoch zu einer Vernachlässigung des Jeverlandes und der Veruntreuung des Besitzes der Häuptlingskinder.
Die Rollenverteilung unter den Geschwistern war eindeutig festgelegt: Der Sohn Christoph war als zukünftiger Häuptling des Jeverlandes vorgesehen und wurde dementsprechend durch Erziehung und Ausbildung darauf vorbereitet. Die drei Schwestern Anna, Maria und Dorothea sollten politisch und wirtschaftlich günstig verheiratet werden und genossen eine entsprechende Erziehung. Diese Pläne wurden jedoch durchkreuzt, als der einzige Sohn Christoph im Alter von 18 Jahren verstarb.
Verschiedene Ansprüche von außen wurden auf das Jeverland erhoben: Die Grafen von Ostfriesland hatten ebenso an der Erweiterung ihres Gebietes und ihrer Macht Interesse, wie Heinrich von Braunschweig. Doch Maria von Jever setzte sich durch und sicherte die Ansprüche der Schwestern auf das väterliche Erbe. Es gelang ihr, bedeutende politische Allianzen zu schmieden, die sie in der Vertretung ihrer Rechte unterstützten. Die ältere Schwester Anna verzichtete 1532 zugunsten Marias auf ihre Ansprüche.
Unter der Herrschaft Maria von Jevers setzte trotz der weiterhin andauernden Ansprüche und Angriffe von außen eine Blütezeit für das Jeverland ein. Ihr gelang es, die Eigenständigkeit ihres Landes zu erhalten und ihre Herrschaft zu stärken.
Nach lutherischer Lehre reformierte sie ab den 1530er Jahren die Kirche zum evangelischen Glauben. Systematisch befestigte sie den Flecken Jever und erstritt 1536 die Stadtrechte. Um die landesherrlichen Einkünfte zu vermehren, ließ sie ab 1540 großangelegte Eindeichungsmaßnahmen vornehmen, um damit ebenso neuen Grundbesitz zu erschließen und die Küsten zu sichern. Ab 1551 ließ Maria den Upjeverschen Wald aufforsten und das Vorwerk ausbauen. Diese Maßnahmen führten ebenso zu weiterer wirtschaftlicher Prosperität und Stabilisierung des Jeverlandes, wie die Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten und die Intensivierung der Münzprägung.
Als Landesherrin, die sich ihren Untertanen verpflichtet sah, richtete Maria von Jever 1558 ein Armenhaus ein und privilegierte eine Hofapotheke. Ab 1560 ließ sie die Burg Jever in ein Schloss, eine repräsentative Residenz, umwandeln. Doch auch im Bildungsbereich stärkte sie ihre Region, indem sie sich für die Einrichtung einer Lateinschule einsetzte und talentierten Schülern durch die Vergabe von Stipendien ein universitäres Studium ermöglichte.
In ihrem Testament legt Maria von Jever die Übergabe der Herrschaft Jever an das Oldenburger Grafenhaus fest. Sie starb am 20. Februar 1575 in Jever.
Im Jeverland ist Maria von Jever fest im kulturellen Gedächtnis der Region verankert. Viele Sagen und Legenden ranken sich um die kluge Landesherrin und willensstarke Frau.
Text: Dr. Gudrun Heuschen
Informationen zu Maria von Jever und zum frauenORT
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Maria von Jever
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Der frauenORT „Maria von Jever“ ist in Kooperation mit dem Schlossmuseum Jever, der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Jever sowie den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Jever und dem Landkreis Friesland entstanden und wurde im Februar 2016 eröffnet.