Christine M. Kaiser
Team Starke Frauen Königslutter e.V.
Als selbstbewusste Herrscherin prägte Richenza von Northeim die Reichsgeschichte im 12. Jahrhundert. An der Seite von Lothar von Süpplingenburg stieg sie 1125 zur Königin und 1133 zur Kaiserin auf. Zusammen bildeten sie ein Herrscherpaar, das sich die Aufgaben im „Consortium regni“ teilte. Richenzas Aktivitäten im Reich und Reichsitalien umfassten die Lehenvergabe, Rechtsprechung, die imperiale Repräsentation sowie die Reichskirchenpolitik. Strategisch geschickt trat sie als Vermittlerin für die Einbindung der Fürsten sowie besiegter Gegner auf und stärkte damit die Stabilität der Herrschaft. Insbesondere nach dem Tod ihres Mannes (1137) wirkte die Machtpolitikerin eigenständig.
Kaiserin – Diplomatin – Friedensstifterin: Richenza von Northeim war eine Herrscherin des Hochmittelalters.
Bereits durch ihre Geburt und Erziehung wurde sie auf ein Leben mit aktivem Einfluss auf die Politik des Heiligen Römischen Reiches vorbereitet. Dabei sind über ihre ersten Lebensjahre nur wenige Informationen überliefert. Um 1087/89 als Tochter von Heinrich dem Fetten, dem ältesten Sohn Ottos von Northeim (†1083), und Gertrud von Braunschweig geboren, war sie eine Person aus dem sächsischen Hochadel, die das Northeimer und das braunschweigische Erbe in sich vereinte.
In die Ehe mit Lothar von Süpplingenburg, die sie 1100 einging, konnte sie diesen Macht- und Besitzstand in eine spätere Königsherrschaft einbringen. Es ist wahrscheinlich, dass Richenza eine Ausbildung erhielt, die sie auf künftige Aufgaben als Gemahlin eines Regenten adäquat vorbereitet hat. In der Geschichtsforschung wird davon ausgegangen, dass sie lesen und schreiben konnte, sogar des Lateinischen mächtig war und auf die Führung eines großen Hofes vorbereitet wurde.
Der Fortbestand der Dynastie wurde durch die Geburt ihrer Tochter Gertrud im Jahre 1115 und deren Vermählung mit Heinrich dem Stolzen von Bayern 1127 gesichert. Das braunschweigische und Northeimer Erbe ging damit an die Welfen über. Dieser Ehe entstammte der Sohn Heinrich der Löwe, der Enkelsohn Richenzas.
Der Aufstieg Lothars von Süpplingenburg ermöglichte auch Richenza als seiner Gemahlin eine herausragende Position im Machtgefüge des römisch-deutschen Reiches: 1106 wurde Richenza an der Seite Lothars in den Rang einer Herzogin erhoben und 1125 in Köln zur Königin des römisch-deutschen Reiches gekrönt. Dies erfolgte in einer eigenen Zeremonie, wie es seit dem frühen 11. Jahrhundert gängige Praxis war. Richenzas Weg führte sie bis nach Rom, wo sie zusammen mit ihrem Ehemann Lothar III. am 04.06.1137 in der römischen Lateranbasilika von Papst Innozenz II. zur Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde.
Kaiser Lothar III. und Kaiserin Richenza stellten gemeinsam politische Weichen, deren Spuren bis heute sichtbar sind. 1135 gelang es ihnen, den schwelenden Konflikt um die Königswürde zwischen den Stauferbrüdern Friedrich und Konrad auf der einen und ihren eigenen Konflikt mit König Lothar auf der anderen Seite beizulegen. Im gleichen Jahr gründeten sie die Benediktinerabtei in Königslutter und legten den Grundstein für den heutigen Kaiserdom.
Kaiserin Richenza gehörte zum engen Beraterkreis des Kaisers Lothar III., ihres Mannes. Man geht davon aus, dass etwa ein Drittel aller Urkunden auf ihre Veranlassung hin entstanden sind. Während des zweiten Italienzuges Kaiser Lothars III. 1136/37, auf den Richenza ihn begleitete, übernahm sie zeitweise die Regierungsgeschäfte und übte die Rechtsprechung aus. Eine der ausgefertigten Urkunden enthält als Signum Richenzas „imperatrix semper augusta“, in dem sie selbst als Kaiserin zeichnet.
Als Kaiser Lothar 1137 und nur zwei Jahre später auch Heinrich der Stolze, ihr Schwiegersohn, starben, sicherte Kaiserin Richenza gemeinsam mit ihrer Tochter Gertrud die Anerkennung ihres Enkels Heinrich des Löwen als Herzog von Sachsen. Im Treueid „Huldigung der sächsischen Großen“ wurden im Jahr 1139 seine Rechte und die Loyalität des sächsischen Adels gesichert. Da Heinrich zu dem Zeitpunkt noch minderjährig war, kam der Huldigung eine hohe symbolische Bedeutung zu.
1141, vier Jahre nach dem Tod ihres Gemahls, starb Kaiserin Richenza in Braunschweig und wurde an der Seite ihres Mannes in der Stiftskirche zu Königslutter beigesetzt.
Text: Dr. Gudrun Heuschen
Kaiserin-Richenza-Tag
Am 10. Juni, dem Todestag Richenzas, findet jährlich wiederkehrend der Kaiserin-Richenza-Tag statt. Organisiert vom Arbeitskreis frauenORT Kaiserin Richenza im Team Starke Frauen Königslutter e. V. gibt es je nachdem, auf welchen Wochentag der 10. Juni fällt, wechselnde Veranstaltungen. Dazu gehört stets auch die Niederlegung eines Salbeistraußes an der Grablege der Kaiserin.
Kaiserin-Richenza-Frühstück
Einmal im Jahr lädt der Arbeitskreis in Zusammenarbeit mit jährlich wechselnden Organisationen kulturell, kulinarisch und/oder frauenpolitisch Interessierte zu einem Frühstück ein.
Frau – Macht – Verantwortung
Kaiserin Richenza als kluge und mächtige Frau des Mittelalters inspiriert uns im Arbeitskreis zur Auseinandersetzung mit den Themen „Frau – Macht – Verantwortung“ im Rahmen unterschiedlicher Veranstaltungsformate.
Jeweils ca. 1,5 Stunden, 5 € pro Person (bis 15 Jahre frei) mindestens 40 Euro pro Führung, Gruppen ab 20 Personen: 4 Euro pro Person. Buchung: Telefon 053 53 912 202 oder 912 129
Starke-Frauen-Stadtspaziergang
Frauen, die unserer Stadt über Jahrhunderte ihren Stempel aufgedrückt haben, werden auf diesem Stadtspaziergang sichtbar gemacht: Von der ersten Bürgermeisterin des Landkreises Helmstedt über eine der ersten niedergelassenen Ärztinnen im Braunschweiger Land bis hin zu Originalen wie der „Glöcknerin vom Kaiserdom“. Den krönenden Abschluss findet der Stadtspaziergang an der Grablege der Kaiserin Richenza.
Treffpunkt: Rathaus Königslutter, Am Markt 1
Domführung: Kaiserin Richenza – consors regni
Richenza von Northeim (1087/89 bis 1141) prägte die Reichsgeschichte im 12. Jahrhundert wie keine zweite Frau. Um 1100 mit Lothar von Süpplingenburg vermählt, stieg sie an seiner Seite bis zur Kaiserin auf (ab 1133). Seine vielfältigen Aufgaben teilte das Herrschaftspaar untereinander auf. Schließlich stifteten sie 1135 die Abteikirche St. Peter und Paul als ihre gemeinsame Grablege.
Treffpunkt: Kaiserdom Königslutter, Löwenportal
Kaiserin-Richenza-Workshop
Wer war die römisch-deutsche Kaiserin Richenza, Ehefrau Kaiser Lothars III., Großmutter Heinrichs des Löwen, und welche Bedeutung kam ihr im 12. Jahrhundert zu? Ihre Grabesstätte fand Richenza neben Kaiser Lothar III. und Heinrich dem Stolzen, ihrem Schwiegersohn, im Kaiserdom. Wie hat Richenza gelebt und wie gestaltete sich ihre Herrschaftsteilhabe? Um die historische Rolle Kaiserin Richenzas in den Fokus zu rücken und zu reflektieren, beschäftigt sich der Außerschulische Lernort Kaiserdom in unterschiedlichen Workshopgestaltungen mit dem Leben und Wirken der Kaiserin.
Buchung/Treffpunkt: Außerschulischer Lernort Kaiserdom, Vor dem Kaiserdom 3-5, 38154 Königslutter am Elm,
Telefon: 05353 98 95 77, E-Mail: post@kaiserdom-macht-schule.de
Kurzfilm über Kaiserin Richenza (Angebot demnächst verfügbar!)
Der frauenORT Kaiserin Richenza ist in Kooperation mit dem Team Starke Frauen Königslutter e.V. entstanden und wurde im Juni 2021 eröffnet.