Cilli-Maria Kroneck-Salis

„Ich lasse mir nichts gefal­len, und ich finde das nicht stark, ich finde das selbst­verständlich.“

Cilli-Maria...

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frauenORT Kontakt:

Patricia Heller, GB

05 41 3 23 – 4441

Gewalt gegen Frauen – ein Thema, das Cilli-Maria Kroneck-Salis bis ins hohe Alter umtrieb. Die Sozialpädagogin engagierte sich seit 1978 im „Verein zum Schutz misshandelter Frauen“. Als Mitbegründerin des Frauenhauses in Osnabrück definierte sie Gewalt gegen Frauen als strukturelle Gewalt einer patriarchalen Gesellschaft. Nach langjährigem Kampf erhielt der Verein 1981 die Trägerschaft für eines der ersten autonomen Frauenhäuser in Niedersachsen. Es ist bis heute Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. Cilli-Maria Kroneck-Salis war auch Initiatorin des Frauenflüchtlingshauses für geflüchtete bosnische Frauen (1993 – 1994). In ihrem Bad Iburger Elternhaus – dem heutigen Café Kroneck – informiert eine Erinnerungstafel über ihr Leben.

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Lebenslauf

Sie war eine Kämpferin für den Schutz und die Rechte von Frauen.

Cilli-Maria Kroneck-Salis wurde 13. Juli 1923 in Berlin als Tochter des Juristen Rudolf Salis und seiner Frau Cilli geboren. Ihre Mutter war nach nationalsozialistischer Definition „Halbjüdin“ und wurde während der NS-Zeit verfolgt.

Cilli-Maria wuchs in Bad Iburg auf und besuchte dort die Schule, bevor sie auf das Lyzeum in Osnabrück wechselte. Ihren Abschluss dort erlangte sie nicht, da sie während ihrer Schulzeit andauerndem diskriminierendem Verhalten ausgesetzt war. Stattdessen entschloss sie sich zu einer Ausbildung im Bürobereich und nahm zeitgleich privat Schauspielunterricht. Eine staatliche Schauspielschule konnte sie aufgrund ihrer zum Teil jüdischen Vorfahren nicht besuchen.

Als Schauspielerin war Cilli-Maria Salis begabt. Bis 1944 hatte sie ein Engagement am Theater. Als dieses geschlossen werden musste, wurde sie zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie verpflichtet, arbeitete jedoch nach dem Krieg in Osnabrück und Bremen wieder als Schauspielerin.

In der Nachkriegszeit arbeitete sie 1950 für das Weltflüchtlingswerk der evangelischen Kirche in Italien, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte und 1953 in Köln heiratete. Das Ehepaar bekam 1955 und 1957 zwei Töchter. Cilli-Maria Kroneck-Salis, wie sie nach der Eheschließung hieß, kehrte 1964 nach Bad Iburg in ihr Elternhaus zurück und erwarb 1974 das Abitur, um Erziehungswissenschaften an der Universität Osnabrück zu studieren.

Im Kontext der Zweiten Frauenbewegung wurden in diesen Jahren in vielen Städten Frauennotrufe und Beratungsstellen zu Gewalt gegen Frauen eingerichtet. In Osnabrück setzte sich Cilli-Maria Kroneck-Salis für misshandelte Frauen ein und gründete 1978 mit weiteren Aktivistinnen den Verein zum Schutz misshandelter Frauen und die Frauenberatungsstelle Osnabrück. Zuvor waren die Frauen, die sich in diesem Bereich engagierten, ehrenamtlich tätig gewesen. Cilli-Maria Kroneck-Salis wollte ein Zeichen für diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe setzen und dieser Tätigkeit zu einem Stellenwert über das Ehrenamt hinaus verhelfen.

Lange kämpften Cilli-Maria Kroneck-Salis und ihre Mitstreiterinnen für die Eröffnung eines Frauenhauses in Osnabrück. Neben der Überwindung von Vorurteilen gegenüber feministischen Zielen und Initiativen, musste die Finanzierung geklärt und behördliche Angelegenheiten geregelt werden. Leitend war für sie dabei immer die Definition von Gewalt gegen Frauen: Cilli-Maria Kroneck-Salis sah diese nicht als individuelles Ehe- oder Beziehungsproblem, sondern als strukturelle Gewalt einer patriarchalen Gesellschaft gegen Frauen. 1980 wurde das Frauenhaus Osnabrück schließlich unter der Trägerschaft des Vereins zum Schutz misshandelter Frauen eingerichtet und war eines der ersten autonomen Frauenhäuser in Niedersachsen.

Cilli-Maria Kroneck-Salis behielt einen wachen Sinn für die Not von Frauen. Als während der Jugoslawienkriege 1992 bosnische Frauen und Kinder aus dem Kriegsgebiet nach Osnabrück flüchteten, engagierte sie sich für die Gründung eines Frauenflüchtlingshauses in Osnabrück, welches 1993 eröffnet wurde.

Bis 2010 war Cilli-Maria Kroneck-Salis ehrenamtlich im Vorstand des Trägervereins des Frauenhauses tätig und setzte sich durch öffentliche Auftritte und Veranstaltungen für die Einrichtung ein. Für ihre Verdienste um den Aufbau des autonomen Frauenhauses Osnabrück und ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit zum Schutz vieler Osnabrücker Frauen und Kinder wurde ihr 1989 die Bürgermedaille der Stadt Osnabrück verleihen. 2003 erhielt sie das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Cilli-Maria Kroneck-Salis starb am 25. Dezember 2010 in Bad Iburg. Ihr Elternhaus in der Schloßstraße in Bad Iburg beherbergt heute das Restaurant und Café Kroneck-Salis. Gedenktafeln an diesem Haus und am Osnabrücker Rathaus erinnern an sie.

Kulturtouristische Angebote:

Stadtrundgang zum Selbstentdecken
„Cilli-Maria Kroneck-Salis“
Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Stadtrundgang durch Osnabrück zum Thema Gewalt gegen Frauen nicht zum Osnabrücker Frauenhaus führt, dessen Mitbegründerin Cilli-Maria Kroneck­-Salis war. Der Stadtrundgang „Cilli-Maria Kroneck-Salis“ begibt sich daher auf Spurensuche nach Ereignissen in der Geschichte der Stadt Osnabrück, die unter das Thema subsummiert werden können: So wurden im 16. und 17. Jahrhundert Frauen als „Hexen" verunglimpft und ermordet. Im 18. Jahrhundert sind Fälle „häuslicher Gewalt" gegen Frauen in Gerichtsakten festgehalten. Das Bürgerliche Familienideal im 19. Jahrhundert begrenzt die Bildungs- und „Berufs“möglichkeiten von Frauen auf ihre „wesensmäßigen Aufgaben“ als Ehefrau, Mutter und Hausfrau.

> Download Faltblatt mit Stadtrundgang

 

> Zeitseeing Stadtführungen
bieten eine 1,5 bis 2-stündige Stadtführung an.
Termine nach Vereinbarung.
Buchung: zeitseeing-osnabueck@osnanet.de
Tel.: 01525 675 9203

 

Weitere Informationen über Cilli-Maria Kroneck-Salis
unter > www.bad.badiburg.de

Erinnerungstafel
Rathaus Osnabrück

Ausstellung und Erinnerungstafel
im > Café Kroneck,
Schlossstr. 17, Bad Iburg

Der frauenORT Cilli-Maria Kroneck-Salis entstand in Kooperation mit den Gleichstellungsbeauftragten der Städte Osnabrück und Bad Iburg sowie des Landkreises Osnabrück und wurde im Februar 2018 im Rathaus der Stadt Osnabrück eröffnet.

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