„Madame, wir bräuch­ten Ihre Treff­si­cher­heit,
um dem Charme die­ses Ortes gerecht zu wer­den;
Um ihn zu...

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Ruth Meyer

 

Künstlerisch begabt, hochgebildet und kosmopolitisch: Die schwedische Gräfin galt als „weltbekannt durch Geist und Schönheit“. Maria Aurora von Königsmarck prägte mit ihren lyrischen Versen und Erzählungen die galante Literatur der Barockzeit. Sie wirkte an der Vertonung und Aufführung ihrer Libretti mit und setzte Impulse für die höfische Kultur in Schweden und Norddeutschland. Als Mätresse des Kurfürsten von Sachsen und spätere Pröpstin des Stiftes Quedlinburg nutzte sie europäische Netzwerke, um Besitz und Rang ihrer Familie zu sichern. Zahlreiche Reisen führten die Gräfin immer wieder auf den Familienbesitz Schloss Agathenburg.

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Lebenslauf

Maria Aurora Gräfin von Königsmarck war eine beeindruckende Frau, die nicht nur durch ihre strahlende Schönheit, sondern auch durch ihre exzellente Ausbildung, ihren herausragenden Kunstverstand und ihr großes diplomatisches Geschick zu einer der führenden Frauen ihrer Zeit wurde.

Die Gräfin entstammte einer deutsch-schwedischen Adelsfamilie, die sich im Dreißigjährigen Krieg durch Kriegserfolge für das schwedische Königshaus verdient gemacht hatte. Aus diesem Grund genoss die Familie europaweit großes Ansehen und war sehr vermögend.

Am 28. April 1662 wurde Maria Aurora in Stade geboren. Ihr Großvater war der Gouverneur der Herzogtümer Bremen und Verden, die von Stade aus verwaltet wurden und unter schwedischer Landesherrschaft standen. Maria Aurora wuchs in Stade und dem nahegelegenen Landsitz Schloss Agathenburg auf. Ihre Jugendjahre verbrachte sie nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter und Schwester in Hamburg und Stockholm.

Durch die bedeutende Stellung ihrer Familie erfuhr Maria Aurora von Beginn an eine sehr gute Ausbildung in Sprachen, Literatur, Kunst und Musik und wurde exzellent in der Hofetikette ausgebildet. Dies verlieh ihr eine Sicherheit, die zu einem großen Selbstbewusstsein im Umgang mit dem europäischen Hochadel des 17. Jahrhunderts führte.

Mit Klugheit, Selbstbewusstsein und den richtigen Umgangsformen entwickelte sich Maria Aurora zu einer bedeutenden Barockdichterin ebenso wie zu einer Musikerin und Komponistin, und damit zur „galanten Dame“. Noch heute bekannt ist ihre Sammlung „Nordischer Weyrauch“, in der sie sowohl eigene religiöse Gedichte als auch Gedichte anderer Frauen des schwedischen Hochadels zusammentrug.

Die durch herausragende Bildung und Schönheit strahlende Erscheinung war durch den hohen Stand ihrer Familie mit dem Hochadel aus ganz Europa vernetzt und wusste ihre Vorzüge gekonnt einzusetzen: Am Dresdner Hof wurde sie „Maitresse en titre“, die erste Staatsmätresse des acht Jahre jüngeren Kurfürsten August des Starken, dem späteren polnischen König. Als offizielle Mätresse nahm sie für den Hof und den Kurfürsten repräsentative Funktionen wahr. Geistreich und gebildet, war ihr diese Rolle auf den Leib geschneidert. 1696 wurde der gemeinsame Sohn Moritz geboren, der später ein bedeutender Feldherr im Frankreich des 18. Jahrhunderts wurde.

Da sich die finanzielle Lage der Familie von Königsmarck gegen Ende des 17. Jahrhunderts stark verschlechtert hatte, sah sich Maria Aurora gezwungen, eine dauerhaft stabile finanzielle Situation für sich zu sichern. Im Jahr 1700 wurde sie mit Unterstützung August des Starken Pröpstin des Stiftes Quedlinburg. Diese Stellung bedeutete für Maria Aurora zu Königsmarck einen gesellschaftlichen Aufstieg und gewährte ihr Freiheiten und finanzielle Unabhängigkeit. Als Stiftsdame hatte sie die Möglichkeit, finanziell abgesichert, aber unverheiratet zu bleiben und politischen Einfluss auszuüben.

Als Quedlinburger Pröpstin reiste Maria Aurora viel und pflegte ihre Kontakte an den europäischen Höfen. Hierzu gehörten Hannover, Dresden, Braunschweig und Wolfenbüttel. Wichtige Orte ihres Netzwerkes waren auch die Städte Hamburg und Leipzig. Ihre weitreichenden Kontakte und ihr Einfluss auf die Höfe als politische Zentren der Zeit führten zu ihrer heutigen Bezeichnung als „Europäische Netzwerkerin der Barockzeit“.

Um ihre Laufbahn am Stift Quedlinburg zu krönen, strebte Maria Aurora das Amt der Äbtissin an. Dies wurde jedoch durch die Stiftsdamen, deren Stimmen sie gewinnen musste, verhindert. Maria Aurora von Königsmarck verstarb am 16. Februar 1728 in Quedlinburg und wurde in der Gruft der Stiftskirche beigesetzt.


Text: Dr. Gudrun Heuschen

Kulturtouristische Angebote

Museumsausstellung
Das Schloss Agathenburg beherbergt ein Museum zur Geschichte der deutsch-schwedischen Grafenfamilie von Königsmarck im 17. und 18. Jahrhundert.

Schloss Agathenburg
Hauptstraße 45
21684 Agathenburg

Öffnungszeiten März bis November:
Di - Fr 14-18 Uhr
Sa, So, Feiertage: 11-18 Uhr

 

Das Schlosscafé lädt zur Pause und der Schlosspark zum Spaziergang ein.
Im Schloss Agathenburg wird auch ein Kulturprogramm der Bereiche Kunst, Musik und Literatur geboten.
Öffnungszeiten: Di - Fr 14-18 Uhr, Sa, So, Feiertage: 11-18 Uhr.


Stadtrundgang
„Aurora von Königsmarck lässt bitten“
– Stade und Agathenburg in gräflicher Gesellschaft
wegner@stade-tourismus.de
Tel. 04141 77698 11

 

Der frauenOrt Maria Aurora von Königsmarck in Agathenburg entstand in Kooperation mit der Kulturstiftung Schloss Agathenburg, der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Stade, dem Soroptimist International Club Buxtehude, dem Lions Club Stade - Aurora von Königsmarck, der Stade Tourismus-GmbH und dem Tourismusverband Landkreis Stade/Elbe e.V. und wurde im April 2015 eröffnet.

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