Tourist Info der Stadt Melle
Markt 12
49324 Melle
Initiativkreis Ilse Losa
Kulturzentrum Wilde Rose e.V.
Ilse Losa, geb. Lieblich wurde am 20. März 1913 in Melle-Buer geboren und emigrierte im März 1934 nach Portugal und damit in eine ebenfalls faschistische Diktatur. Durch ihre seit 1949 in portugiesischer Sprache verfassten Romane, Erzählungen, Essays und über 20 Kinderbücher wurde sie dort zu einer äußerst bekannten und beliebten Autorin. In ihrem vielseitigen Werk thematisierte sie Antisemitismus und Ausgrenzung, den Holocaust und seine Vorgeschichte sowie Naturverbundenheit und Heimatverlust, insbesondere aus der Perspektive von Frauen und Kindern.
In Deutschland wurden erst spät einzelne Werke von Ilse Losa veröffentlicht. 1967 erschien in der DDR ein erster Band mit Erzählungen, seit 1990 folgten zwei Romane und ein Erzählband, darunter ihr autofiktionales Erstlingswerk: Die Welt, in der ich lebte. 1982 und 1984 wurde sie mit dem Gulbenkian Preis ausgezeichnet. 1991 erhielt Ilse Losa das Bundesverdienstkreuz.
Die in Deutschland geborene Ilse Losa gehört zu den angesehensten Schriftstellerinnen Portugals. Ihre Literatur gehört zum dortigen Schulkanon. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher in portugiesischer Sprache verfasst.
Als Ilse Lieblich wurde die beliebte portugiesische Autorin am 20. März 1913 in Melle-Buer geboren und wuchs in den ersten Jahren bei ihren Großeltern im bäuerlichen Umfeld auf. Die Eltern und ihre beiden jüngeren Brüder verbrachten diese Zeit im acht Kilometer entfernten Melle, wohin sie mit sechs Jahren umzog und eingeschult wurde. In Osnabrück besuchte sie nach der Mittelschule auch das Lyzeum, bevor die Familie 1928 nach Hildesheim umzog. Ilse wurde dort zunächst in der Goethe-Schule eingeschult, musste aber aufgrund der finanziell schwierigen Situation nach dem Tod ihres Vaters 1930 die Schule vorzeitig ohne das Abitur verlassen.
In den Jahren 1930/31 absolvierte sie einen Au-Pair-Aufenthalt in England und arbeitete nach ihrer Rückkehr in einem Krankenhaus in Hannover. Im Zuge der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten wurde sie 1933 gemeinsam mit anderen jüdischen Kolleginnen und Kollegen entlassen, zog nach Berlin und nahm eine Arbeit als Bürogehilfin in einem Versicherungsbüro an.
Ilse Losa war sich der politischen Gefahr in ihrem Heimatland sehr bewusst und äußerte sich kritisch über die neuen Machthaber. Einer ihrer Briefe, in dem sie Hitler als Verbrecher bezeichnet und sich über die Diskriminierungen jüdischer Menschen beklagt hatte, wurde von der Gestapo abgefangen und führte zu einer Vorladung zum Verhör. Das Verhör endete mit der Androhung einer Verhaftung, sollte sie noch einmal auffällig werden.
Umgehend nach diesem Erlebnis floh sie 1934 in das ebenfalls faschistisch regierte Portugal, wo ihr Bruder Ernst auf eine Ausreisemöglichkeit in die USA wartete. Da Portugal zu dieser Zeit an einem Handel mit dem nationalsozialistischen Deutschland interessiert war, wurden Deutschkenntnisse als vorteilhaft angesehen und Ilse Lieblich konnte als Deutschlehrerin arbeiten. Während dieser Zeit kam sie in Kontakt zu einer Gruppe von oppositionellen Kulturschaffenden, in der sie den Architekten Arménio Losa kennenlernte. 1935 heirateten die beiden. Durch die Eheschließung wurde Ilse Losa portugiesische Staatsbürgerin.
Von 1937-1939 arbeitete sie als Lehrerin in der Ausbildung von Grundschullehrkräften und als Kindergartenleiterin. Zwei Töchter gingen aus der Ehe mit Arménio Losa hervor, die 1938 geborene Alexandra und die 1943 geborene Margarida.
Bis 1974 wurde Portugal vom faschistischen Regime regiert. Ilse Lose engagierte sich von Beginn an politisch. Sie und auch ihr Ehemann wurden durch die geheime Staatspolizei beobachtet, aber es gelang ihr dennoch, Geflüchtete aus Deutschland zu unterstützen und sich in der „Organisation portugiesischer Frauen für den Frieden (AFPP)“ zu engagieren, die u. a. Pakete in deutsche Konzentrationslager schickten. Seit 1945 unternahm sie außerdem viele Reisen nach England, Deutschland und in die USA.
Das Erscheinen ihres ersten Romans „O Mundo em que Vivi“ (Die Welt in der ich lebte) markiert 1949 den Anfang ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Als verdeckt-regimekritischer Text thematisiert er ihre Kindheit und Jugend als Jüdin im nationalsozialistischen Deutschland. Dem Erstlingswerk folgten Romane, Prosagedichte, Erzählungen, Essays, ein pädagogischer Ratgeber für Eltern und über zwanzig Bücher und Theaterstücke für Kinder in portugiesischer Sprache. In ihren Werken thematisierte sie immer auch die Themen Antisemitismus, Ausgrenzung und den Holocaust, jedoch auch Naturverbundenheit und Heimatverlust, insbesondere aus der Perspektive von Frauen und Kindern.
Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin kommt ihrem Schaffen als Übersetzerin eine große Bedeutung zu. Sie übersetzte Werke von Thomas Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Hilde Domin und vielen weiteren ins Portugiesische. Ebenso die Tagebücher von Anne Frank. Sie ließ es sich nicht nehmen, kritische portugiesische Autoren einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen: Als Lektorin förderte sie u. a. den regimekritischen Schriftsteller Manuel da Fonseca, dessen Arbeiten sie ins Deutsche übersetzte.
Ihren ersten Besuch in Deutschland unternahm sie bereits 1951, aber erst in den 1990er Jahren wurde ihr Erstlingswerk über ihre Kindheit in Melle in deutscher Sprache herausgegeben.
Ilse Losa starb am 6. Januar 2006 in Porto (Portugal). Ihr Ansehen als portugiesische Schriftstellerin wurde unter anderem 2013 mit der Ehrung als „Lichtblick der portugiesischen Kultur“ durch eine Briefmarke gewürdigt.
> Mehr Informationen im Faltblatt zum Download
Ilse-Losa-Radweg Melle
Biografisch-literarischer frauenORT-Radweg zwischen Melle und Buer, der an die Schriftstellerin Ilse Losa und ihr Lebenswerk erinnert.
Im Verlauf der 11 km langen Route befinden sich 6 Stationen mit inhaltlich zum Standort passenden biografischen und historischen Informationen. Über QR-Codes mit Audiomaterial hören große und kleine Menschen Auszüge aus Ilse Losas literarischem Werk. Erkennungszeichen aller Stationen sind überdimensionale Bleistifte, das Werkzeug der Schriftstellerin, in der frauenORT-Farbe gelborange.
> Website zum fraueORT Ilse Losa mit allen Audiobeiträgen
> Download Faltblatt zur Radwege-Tour
Film
„Wo haben Sie Ihr blondes Haar gestohlen?“
Peter Hamm, 1992, Hessischer Rundfunk
Anfragen zu Aufführungsrechten unter archivservice@hr.de
Telefon 069 155-3394
Radiobeiträge
WDR ZeitZeichen vom 20.03.2023:
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-ilse-losa-exilschriftstellerin-geboren-am--100.html
Zwei Beiträge von Radio Corax:
https://radiocorax.de/in-der-fremde-zu-hause-die-schriftstellerin-ilse-losa/
https://radiocorax.de/die-welt-in-der-ich-lebte/
Der frauenORT Ilse Losa entsteht in Kooperation mit der Stadt Melle, dem Initiativkreis Ilse Losa und dem Verein Wilde Rose e.V. und wurde am 10. März 2024 eröffnet.