Juliane Schmieglitz-Otten
Museumsleitung
Residenzmuseum im Celler Schloss
Die Liebe führte Herzogin Eléonore d'Olbreuse nach Celle. Aber als Gemahlin von Herzog Georg Wilhelm nutzte die französische Landadlige und Hugenottin ihre informelle Machtteilhabe auch zugunsten von verfolgten Angehörigen ihres Glaubens und zur Förderung des Allgemeinwohls. Französisches Flair brachte sie ein beim Ausbau des Celler Schlosses zu einer repräsentativen Residenz mit Barocktheater und Paradegemächern.
Eléonore stammte aus altem französischem Landadel. Am 1. Januar 1639 wurde sie in Olbreuse bei La Rochelle geboren. Ihre Familie war im Poitou ansässig, einem Zentrum der Hugenotten, der reformierten französischen Protestanten. Als Ehrendame der Herzogin von Thouars kam sie 1661 an den Pariser Hof. Dort lernte sie Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg kennen und wurde 1664 seine Mätresse.
Ihre Verbindung mit Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, der seit 1665 in Celle regierte, ist in zweifacher Weise ungewöhnlich: Aufgrund ihrer Herkunft war sie ihm unebenbürtig, d.h. von niedrigerem Rang als der dem Reichsadel angehörende Herzog.
Georg Wilhelm, der in Folge eines sogenannten „Brauttausches“ 1658 seinen Eheverzicht erklärt und die Erbfolge auf seinen Bruder Ernst August übertragen hatte, heiratete Eléonore trotz seines Eheverzichtsversprechen gegenüber seinem Bruder. Anders als die meisten fürstlichen Ehe der Zeit, die aus politischen Gründen und innerhalb des gleichen Standes geschlossen wurden, beruhte die Verbindung beider jedoch auf gegenseitiger Zuneigung. So schlossen sie 1665 zunächst eine „Gewissensehe“: Georg Wilhelm versicherte Eléonore vertraglich seiner Treue und Versorgung für den Fall ihrer Witwenschaft. Eléonore trug von nun an den Namen „Madame d’Harbourg“: Die ein Jahr darauf geborene Tochter Sophie Dorothea war somit zunächst illegitimes Kind.
Fast zehn Jahre lang bemühte sich das Paar um die Absicherung von Eléonores Position. Erst nach ihrer Erhebung in den Reichsgrafenstand durch Kaiser Leopold I. konnte 1676 die offizielle Ehe geschlossen werden. Nachdem auch Georg Wilhelms Bruder, der spätere Kurfürst Ernst August, Eléonore als Herzogin anerkannt hatte, konnte sie offiziell einen der ranghöchsten Titel des Reiches tragen.
Am Celler Hof machte Eléonore ihren Einfluss auf vielfältige Weise geltend: Sie zog zahlreiche Hugenotten nach Celle, unterstützte ihre verfolgten Glaubensangehörigen in der französischen Heimat und brachte französische Kultur an den Hof und in die Residenzstadt. Ihr loyales Verhältnis zum französischen König, ihre verwandtschaftlichen Beziehungen und ihr starker Einfluss auf die Entscheidungen Georg Wilhelms machten sie zu einer umworbenen Vermittlerin. Maßgeblich war Eléonore an den Verhandlungen beteiligt, die 1679 in den Frieden von Celle mündeten.
Aufgrund ihrer Herkunft sowie ihrer kulturellen und religiösen Wurzeln ist Eléonores Lebensweg außergewöhnlich. Besonders ihr Engagement für die verfolgten Angehörigen ihres Glaubens macht sie zu einer in ihrer Zeit bemerkenswerten Person. Nicht Selbstdarstellung und Machtrepräsentation standen im Vordergrund ihres vielgeneideten Aufstiegs, sondern die Förderung des Gemeinwohls und die Hilfe für Schwächere – Ziele, die sie bis zum ihrem Tod 1722 konsequent verfolgte.
Mit dem Aufstieg Eleonores ist das Schicksal ihrer einzigen Tochter Sophie Dorothea auf das Engst verknüpft. Die auf dem Heiratsmarkt des europäischen Hochadels begehrte Prinzessin wurde aus politischen Gründen mit ihrem hannoverschen Cousin Georg Ludwig, Sohn des 1692 zum Kurfürsten aufgestiegenen Ernst August, verheiratet. Sie widersetzte sich den höfischen Regeln und wurde nach einer Affäre mit dem schwedischen Grafen Königsmarck schuldig geschieden und auf das Schloss Ahlden verbannt, wo sie ihre letzten 31 Lebensjahre verbrachte.
Sophie Dorothea wäre die erste britischen Königin aus dem Hause Hannover geworden, denn 1714 bestieg ihr geschiedener Gemahl in Personalunion den englischen Thron. Ihre beiden Kinder, den späteren britischen König Georg II und ihre Tochter, die preußische Königin Sophie Dorothea die Jüngere, sah sie nie wieder. Ihren Enkel Friedrich den Großen lernte sie nie kennen.
Während ihre Tochter als „uncrowned queen“ in die Geschichte einging, wurde Eléonore zur „Stammmutter“ vieler Königshäuser, denn noch heute sitzen ihre Nachfahren auf europäischen Königsthronen. Das Residenzmuseum im Celler Schloss lässt die Geschichte der einstigen Residenz Celle lebendig werden und stellt zugleich das älteste bis heute existierende Fürstenhaus Europas vor: die Welfen. Im Rahmen der Dauerausstellung ist die Geschichte der Eléonore d‘Olbreuse für Besucherinnen und Besucher hier ständig präsent.
Stadtrundgang zum Selbstentdecken
Eléonore d’Olbreuse – Spuren in Celle
Faltblatt für selbstorganisierte Touren > Download
Geführter Stadtrundgang
Geführte Touren mit Pastor em. Dr. Andreas Flick
Termine auf Anfrage: andreasflick@outlook.de
Jährlicher Eléonore-Tag
Jedes Jahr um den 12. April lädt das Residenzmuseum zum Eléonore-Tag ins Celler Schloss ein. Unter französischem Motto und mit wechselndem Programm feiert die Veranstaltung Eléonores Einfluss und ihre Verdienste für die barocke Residenzstadt.
Informationen unter: > www.residenzmuseum.de
Kontakt: Residenzmuseum im Celler Schloss
residenzmuseum@celle.de
Museumsausstellung
Eingebunden in die Dauerausstellung des Residenzmuseums im Celler Schloss wird die Geschichte der letzten Celler Herzogin Eléonore d’Olbreuse lebendig. Wer sich tiefergehend informieren möchte, kann eine Themenführung auf ihren Spuren buchen und erfährt nicht nur Wissenswertes zum Leben der für ihre verfolgten Glaubensgefährten engagierten Adligen, sondern auch über Eléonores kulturellen Einfluss auf die Celler Residenz(stadt). Nachfahren der „Großmutter Europas“ sitzen noch heute auf europäischen Thronen!
Dauerausstellung im Residenzmuseum im Celler Schloss:
> www.residenzmuseum.de
Kostümführungen
„mächtig verlockend – Frauen der Welfen“
Schlossführung
Buchungen über fuehrungen@celle.de
und Tel. 05141 - 12 41 41
Weitere Informationen zu Eléonore d'Olbreuse
auf der Website der > Tourist Info Celle
Der frauenORT Eléonore d'Olbreuse in Celle wurde in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Celle und dem Residenzmuseum im Celler Schloss im April 2010 eröffnet.