Charlotte von Veltheim

„Deine Rechte sind mein Lied in dem Hause mei­ner Wall­fahrt.“

Psalm 119/54

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Kloster St. Marienberg

 

Die Domina des Klosters St. Marienberg in Helmstedt führte Klosterleben und unternehmerisches Handeln zusammen. Sie entwickelte neue Regeln des Zusammenlebens im Konvent und förderte die christliche Textilkunst mit der Gründung einer noch heute wegweisenden Paramentenwerkstatt. Für die Allgemeinheit stiftete sie u. a. ein Krankenhaus und richtete eine Sonntagsschule sowie eine Internatsschule für bürgerliche Mädchen ein. Für all diese Aufgaben ließ sie die Klostergebäude restaurieren und ausbauen.

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Lebenslauf

Charlotte Luise Adelheid von Veltheim wurde am 13. Mai 1832 als älteste Tochter des Braunschweigischen Forstdirektors und Kammerpräsidenten Hans von Veltheim und dessen Frau Berta in Braunschweig geboren.

Seit 1754 hatte die Familie von Veltheim durch Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel das verbriefte Recht auf das Amt einer Domina des Klosters Marienberg inne. Charlotte von Veltheim wurde 1848 im Alter von 16 Jahren in ihr Amt eingeführt, arbeitete jedoch zunächst drei Jahre als Hausmutter im Knabenhof St. Leonhard in Braunschweig. 1862 bezog sie das Kloster, das sie als eine „verwüstete Stätte des Zornes Gottes“ empfand. Das Amt nahm sie an, da sie, wie sie selbst sagte, in jenen Jahren „die einzige erwachsene“ Veltheim war, die für dieses Amt zur Verfügung stand.

Die 1176 als Augustiner Chorfrauen-Stift gegründete Klosteranlage war zwar weitgehend intakt, befand sich zum Zeitpunkt des Amtsantritts Charlottes von Veltheims aber in einem schlechten baulichen Zustand. Sie fand einige mittelalterliche Textilien und nur noch eine im Kloster wohnende Konventualin vor.

In den Folgejahren wurde Charlotte von Veltheim bei der Restaurierung finanziell von Gönnern unterstützt, investierte aber auch beträchtliche Summen ihres Privatvermögens, um die Klosterbauten wieder in Stand setzen zu lassen.

Charlotte von Veltheim war Domina des Kloster St. Marienberg zu Helmstedt, das sich durch seinen Namen Maria, der Mutter Jesu, verpflichtet hatte. Die Domina stand in einer rund 700jährigen Tradition, die 1176 durch Abt Wolfram von Werden und Helmstedt und mit dem Einzug von Augustiner Chorfrauen vor den Toren der Stadt Helmstedt begonnen wurde.

In deutschen Landen gab es Mitte des 19. Jahrhunderts viele mittelalterliche Klöster, deren Konvente durch die Reformation im 16. Jahrhundert protestantisch geworden waren und die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts unbeschadet überstanden hatten – so auch das Kloster St. Marienberg.

Charlotte von Veltheim nahm die Pflicht und die Aufgabe an, die ihr sowohl die Familie als auch die Klostertradition auferlegt hatte und gestaltete sie neu, nach eigenen, ihr zeitgemäß und zukunftweisend erscheinenden Konzeptionen. Sie wollte wieder einen lebendigen Ort im Kloster formen und diesem vorstehen. Sie wurde dabei unter stützt von Frauen aus ihrer eigenen und aus befreundeten Familien, von Pfarrer Wilhelm Löhe und den Diakonissen aus dem Diakonissenhaus Neuendettelsau in Franken.

Für den Konvent entwickelte sie neue Regeln, engagierte sich für die schulische Mädchenbildung und baute den Westflügel des Klosters zu Krankenstuben aus, als die Stadt Helmstedt für seine Kranken keine Versorgung zu bieten hatte. Den von der Gräfin Anna von der Schulenburg und ihr gemeinsam gegründeten Paramentenverein unterstützte sie nach Kräften. Für alle diese Aufgaben musste sie die Klostergebäude restaurieren und ausbauen. Noch heute lassen sich darin viele ihrer Gestaltungsideen und Maßnahmen entdecken

Aufbau der Paramentenwerkstatt

Gemeinsam mit der Konventualin Anna von der Schulenburg (1826–1902) und weiteren Frauen gründete Charlotte von Veltheim 1861 den Niedersächsischen Paramentenverein. In der Tradition der vorgefundenen mittelalterlichen Textilien strebte der Verein an, Kirchen mit kunstvoll hergestellten Handarbeiten wie Taufkleidern, Wandbehängen, Altardecken und anderen sakralen Textilien auszustatten. Durch seine Arbeiten wurde der Verein schnell bekannt und veranstaltete bald jährlich stattfindende Mitgliedertreffen, die vor allem dem Erfahrungsaustausch dienten. Die Schatzkammer des Klosters beherbergt bis heute liturgische Kleider und gottesdienstliche Textilien höchster Qualität seit dem Mittelalter, insbesondere jedoch aus der Paramentenwerkstatt.

Im 20. Jahrhundert löste sich der Verein auf und die Von-Veltheim-Stiftung übernahm zunächst die Trägerschaft der Paramentwerkstatt. Im Jahr 2025 löste sich der Konvent im Kloster St. Marienberg auf und die Paramentenwerkstatt musste aufgrund von Insolvenz schließen.

 

Errichtung eines Krankenhauses

Besondere Verdienste erwarb Charlotte von Veltheim durch die Einrichtung eines Krankenhauses. Ab 1868 wurde nahe Helmstedt die Eisenbahnstrecke nach Magdeburg verlegt. Die Bauleitung fragte im Kloster St. Marienberg bei der Domina Charlotte von Veltheim an, ob erkrankte oder verletzte Bauarbeiter dort aufgenommen werden könnten, da die nächsten Krankenhäuser erst in Braunschweig und Magdeburg zu finden waren. Das Kloster wurde daraufhin stetig erweitert, 1876 der Westflügel des Klosters schließlich bedarfsgerecht ausgebaut.

Aus den kleinsten Anfängen heraus entwickelte sich das Krankenhaus im Kloster im Laufe der Jahrzehnte zum Kreiskrankenhaus Helmstedt und der heutigen HELIOS St. Marienberg Klinik Helmstedt. Charlotte von Veltheim leitete bis zu ihrem 60. Lebensjahr das Krankenhaus selbst, ab 1892 übernahmen Schwestern des Braunschweiger Marienstifts das Krankenhaus.

1911 starb Charlotte von Veltheim im Alter von 79 Jahren.

Kulturtouristische Angebote

Charlotte von Veltheim
Flyer zur Eröffnung des frauenORTES Niedersachsen im Jahr 2011
gleichstellungsbeauftragte@landkreis-helmstedt.de

Stadtführung
Gelehrte Frauenzimmer, Hexen, Lehrerinnen und Klosterfrauen
Stadtspaziergang zur Helmstedter Frauengeschichte.
Terminanfragen: gleichstellungsbeauftragte@landkreis-helmstedt.de


Klosterrundgang
Das Kloster ist auf Anfrage geöffnet und steht für kostenlose Gruppenführungen zur Verfügung.
Öffentliche Führungen: jeden 1. Dienstag im Monat um 14 Uhr
Treffpunkt: Haupteingang der Kirche
Weitere Termine folgen.

Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK) steht für Führungsanfragen und alle weiteren Fragen gerne zur Verfügung. 
frauenORT Kontakt: Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Telefon: 0531 70742-0
E-Mail: info@sbk.niedersachsen.de
www.kloster-marienberg.de


Der frauenORT Charlotte von Veltheim in Helmstedt wurde in Kooperation mit der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, dem Konvent des Klosters St. Marienberg und der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Helmstedt im Mai 2011 eröffnet.

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