Die international anerkannte Kirchenhistorikerin gehörte der reformatorischen Gemeinschaft der Mennoniten an und lebte ihren Glauben in geistiger Freiheit und tätigem Engagement. Sie unterhielt in Emden eine Armenspeisung, sammelte Spenden und engagierte sich für die Gründung einer Höheren Töchterschule. Ihre Beiträge in den von ihr mitbegründeten „Mennonitischen Blättern“ zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit religiösen und gesellschaftlichen Fragen. 1884 verfasste Antje Brons die erste deutschsprachige Gesamtdarstellung der Geschichte der Mennoniten.
Antje Brons war bekennende Mennonitin, Kirchenhistorikerin und Schriftstellerin. Sie hat das Mennonitentum im 19. Jahrhundert entscheidend geprägt, indem sie in Ihrem Hauptwerk „Ursprung, Entwickelung und Schicksale der Taufgesinnten oder Mennoniten in kurzen Zügen übersichtlich dargestellt“ erstmals die Geschichte der Mennoniten in deutscher Sprache darstellte.
Antje Brons Kindheit verlief nicht unbeschwert und brachte sie bereits früh dazu, sich mit religiösen Schriften und dem mennonitischen Glauben auseinanderzusetzen. Nachdem sie am 23. November 1810 in Norden als Tochter des Niederländers Jan ten Doornkaat Koolman und seiner Frau Antje Doedes Cremer geboren wurde, starb ihre Mutter im Kindbett und Antje wuchs in der Familie des Onkels in Norden auf. Sowohl die Familie ihres Vaters als auch die ihrer verstorbenen Mutter lebten den mennonitischen Glauben. Im Gefüge der Pflegefamilie empfand sich Antje Cremer ten Doornkaat als Außenseiterin. Trost fand sie in der Beschäftigung mit den Schriften, welche die umfangreiche Bibliothek des Onkels beinhaltete und im Zusammenhalt der mennonitischen Gemeinde Nordens, deren Gottesdienste sie regelmäßig besuchte.
Mit knapp 20 Jahren heiratete sie im November 1830 den Kaufmann Ysaak Brons, der ebenfalls Mennonit war. Ihr Mann war als Kaufmann und Reeder sehr erfolgreich und konnte sowohl die wirtschaftliche Situation als auch das gesellschaftliche Ansehen der Familie bald positiv beeinflussen. 1836 wurde er englischer Vizekonsul in Emden und 1848/49 war er als liberaler Politiker Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Auch an der Verschiffung von Auswanderern nach Nordamerika war Ysaak Brons als Reeder beteiligt. In der Ehe wurden elf Kinder geboren, von denen neun das Erwachsenenalter erreichten. Das gesellschaftliche Ansehen und der zunehmende Wohlstand der Familie führten unter anderem dazu, dass König Wilhelm I. von Preußen bei einem Besuch in Emden 1869 im Hause Brons logierte.
Das Ehepaar Brons nahm in den 55 Jahren ihrer Ehe regen Anteil an religiösen, philosophischen und gesellschaftlichen Fragen und brachte sich stark in die mennonitische Gemeinde ein. Antje Brons verfasste vor den Geburten ihrer Kinder und nachdem diese selbständiger wurden diverse Artikel und Bücher zu Geschichte und Glauben der Mennoniten. Bereits im Alter von 11 Jahren begann sie, schriftstellerisch tätig zu sein. Mit 18 Jahren schrieb sie anlässlich ihrer Taufe ein persönliches Glaubensbekenntnis, welches das aktive Handeln als Christin betonte.
Nachdem ihre 11 Kinder erwachsen waren, widmete sich Antje Brons erneut ihren Studien über den Glauben und ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Sie schrieb über den mennonitischen Glauben und kirchengeschichtliche Aspekte, die sie unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte. Eines ihrer Pseudonyme „von Frauenhand“ lässt keinen Zweifel an dem Geschlecht der verfassenden Person. Zur Verbreitung von Artikeln über ihren Glauben gründete sie die Zeitschrift „Mennonitische Blätter“, in der sie als Beitragende rege tätig war. Mit ihrem 1884 in Norden erschienen Hauptwerk „Ursprung, Entwickelung und Schicksale der Taufgesinnten oder Mennoniten in kurzen Zügen übersichtlich dargestellt“ begründete sie ihren Ruf als Kirchenhistorikern. Das Werk war die erste deutschsprachige Darstellung der Geschichte der Mennoniten und für das Selbstbewusstsein und Geschichtsbewusstsein ihrer mennonitischen Glaubensschwestern und -brüdern von großer Bedeutung.
Nicht nur Glaubens-, sondern auch grundlegende Erziehungsfragen behandelte sie in ihrem 1892 erschienen Buch „Gedanken und Winke über die Frage, wie wir das Wohl unserer Kinder fördern können“. Die Mädchen- und Frauenbildung war ihr von Beginn an ein Anliegen. Sie engagiert sich ab 1849 in der Gründung einer Höheren Töchterschule in Emden und unterstützte die Einrichtung eines Kindergartens.
Die Kriege des 19. Jahrhunderts führten Antje Brons die Notwendigkeit und christliche Pflicht der Unterstützung Bedürftiger vor Augen. Sie gründete einen Frauenverein zur Pflege verwundeter Soldaten, der sich sowohl den eigenen als auch den Mitgliedern der feindlichen Truppen annahm. Die Armen des Ortes unterstütze sie durch die Einrichtung einer Suppenküche in Emden. Neben dieser strukturell organisierten Hilfe verschloss sie sich nicht vor Einzelschicksalen: Einer in ihrer Ehe misshandelten Frau gewährte sie Unterschlupf in ihrem Gartenhaus.
Die engagierte Mennonitin Antje Brons starb am 02. April 1902 im Alter von 91 Jahren in Emden. An ihr Wirken wird in einer Dauerausstellung in der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden erinnert.
Stadtrundgang zum Selbstentdecken
Antje Brons
Faltblatt für selbstorganisierte Touren zum Herunterladen [HIER]
Dauerausstellung zu Antje Brons
Johannes a Lasco Bibliothek
https://www.jalb.de/MUSEUM-8810-0-309-46.html
Dienstag bis Samstag 14 - 17 Uhr, Sonntag 14 -17 Uhr (von April bis Oktober)
zum Herunterladen: Flyer Dauerausstellung
Geführter Stadtrundgang
Frauengeschichte(n) in Emden
Stadtrundgang auf den Spuren von Antje Brons und anderer bedeutender Frauenpersönlichkeiten
Weitere Informationen und Termine:
Tourist-Information, Tel.: 04921 97400, ti@emden-touristik.de
Wegweisende Frauen
Emder Straßen, die nach Frauen benannt sind
18 Straßen sind in der Stadt Emden nach Frauen benannt, deren Lebensweg und Wirken sind jetzt in einer Broschüre dargestellt.
Broschüre „Wegweisende Frauen“ Link zum Download
Der Lebendige FrauenKalender Ostfriesland bietet an unterschiedlichen Orten auf der Ostfriesischen Halbinsel von Emden bis Wilhelmshaven eine vielfältige Auswahl an Veranstaltungen, Begegnungen und kulturellen Höhepunkten. Herausgeber ist der „> Runde Tisch FrauenLeben in Ostfriesland“, der 2014 in Aurich gegründet wurde und aus kommunalen Gleichstellungsbeauftragten der Region sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Emden-Leer besteht.
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Der frauenORT Antje Brons ist in Kooperation mit der Stadt Emden, dem Ostfriesischen Landesmuseum, der Johannes a Lasco Bibliothek, Soroptimist International-Club Ostfriesland–Norden und der Mennonitengemeinde zu Emden entstanden und wurde im Oktober 2015 eröffnet.