Dora Garbade 1913

„Ich hätte die viele Arbeit ohne Mit­hilfe der Land­frauen nicht leis­ten können. Sie haben mir immer wie­der...

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Sie hatte die Belange der Menschen im ländlichen Raum im Blick. 1927 gründete die Land- und Lehrfrau Dora Garbade in der Region Weser-Ems den ersten Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein (LHV), der jungen Frauen eine qualifizierte Ausbildung und Landfrauen eine professionelle Arbeitsweise sichern sollte. Ab 1948 entwickelte die langjährige Vorsitzende den Landfrauenverband Weser-Ems zu einer machtvollen „Frauenlobby“. Ab 1960 baute sie das Evangelische Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen mit auf, das Familien in Notsituationen unterstützt.

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Lebenslauf

Dora Garbade Sie war eine Landfrau und bedeutende Wegbereiterin der Landfrauenbewegung in Niedersachsen.

Herkunft und Kindheit

Gesine Mathilde Julie Theodore Depken, genannt Dora, wurde am 22.03.1893 in Schwachhausen geboren. Sie war das älteste von sieben Kindern vor Johanna, Carola, Erica, Julia, Hans und Nelly. Ihre Schwestern Carola und Nelly starben früh.
Ihre Eltern waren Julie, geb. Weyrauch (1868-1952), und der Landwirtschaftsenator Johann Depken (1868-1938). Doras väterliche Familie stand als „Dynastie“ an der Spitze der Landwirtschaftskammer Bremen. In Bremen gibt es die nach ihnen benannte Depkenstraße und den Johann-Depken-Weg. Doras Vater war der allseits beliebte „Jan lang“. Ihr Großvater „Jan klok“ gehörte von 1898 - 1907 als Abgeordneter der Nationalliberalen Partei dem Deutschen Reichstag an.

Gutsfrau auf Gut Nutzhorn

Am 14.01.1919 heiratete sie den Landwirt Hermann Garbade (*1890), 1921 wurde ihre Tochter Julia geboren. Im selben Jahr übernahm das Ehepaar als Pächter die Verwaltung für das 83 ha große Gut Nutzhorn bei Schierbrok, nordwestlich von Delmenhorst. Als vorausschauende Landwirte erwarb das Ehepaar sich auch über das Oldenburger Land hinaus einen guten Ruf in der Kartoffel- und Schweinezucht.

Mitte der 1920er-Jahre gründete Dora Garbade den ersten Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein (LHV), um für die Aus- und Weiterbildung der „Landtöchter“ und Landfrauen ein sicheres Forum zu schaffen. Damit begann auch ihr unermüdlicher Einsatz als Vortragsreisende und Ausbilderin für weibliche und männliche Lehrlinge auf ihrem Gut.

Die Lehrfrau Dora Garbade

Als Gutsfrau und Abteilungsleiterin für Ländliche Hauswirtschaft in der Landesbauernschaft gehörte sie der Kommission für Lehrlinge der Landwirtschaftskammer Oldenburg an. Auf Gut Nutzhorn bildete sie ab 1926 etwa 100 Lehrlinge in ländlicher Hauswirtschaft aus.

Im November 1931 wurde offiziell der Landfrauenverband gegründet, damals noch unter dem Namen „Kreisverein LHV Jeverland“, in dem Dora Garbade den Vorsitz übernahm. Der Verband gedieh langsam, aber stetig; es folgten in den nächsten Jahren viele weitere Ortsgruppen. Im Herbst 1932 veranstalteten Land- und Stadtfrauen die „Deutsche Woche“, die dringlich auf den Kauf heimischer Erzeugnisse aufmerksam machte.

Ein Jahr nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, im Januar 1934, wurden die Landfrauenvereine in die Landesbauernschaften des Reichsnährstandes eingegliedert. Zu diesem Zeitpunkt gab es reichsweit 2.450 Vereine mit 100.000 Mitgliedsfrauen. Der Reichsnährstand war eine Selbstverwaltungskörperschaft, aber keine Parteigliederung. Erfasst wurden alle, die im weitesten Sinne etwas mit Landwirtschaft zu tun hatten. Die Oldenburger Landfrauenvereine gehörten fortan zur „Landesbauernschaft Oldenburg-Bremen, die ab 1936 in „Weser-Ems“ umbenannt wurde. Die eingeführten Verwaltungsgrenzen blieben nach 1945 bestehen

Doppelleben

Dora Garbade richtete in der Zeit des Nationalsozialismus ihren Blick auf die praktische Arbeit und versuchte, sich nicht von den Nationalsozialisten vereinnahmen zu lassen. Bei den organisierten Massenversammlungen der Landesbauernschaft musste sie als Referentin mit parteitreuen Referentinnen auftreten und sprach insbesondere über ihr Herzensanliegen, die Lehrlingsausbildung.

Entgegen den damals geltenden Rassegesetzen bildete sie 1935/36 auch eine junge Frau jüdischer Herkunft zur Hauswirtschaftsmeisterin aus. Lore Neumann durfte als sogenannter „Mischling 1. Gardes“ nicht studieren. Auf dem Gutshof von Dora Garbade war sie einigermaßen sicher und erhielt eine qualifizierte Ausbildung mit zwei Examen. 1938 bis 1940 beschäftigte Dora Garbade sie weiter als Meisterin der Ländlichen Hauswirtschaft. Danach arbeitete Lore Neumann bis zu ihrer Flucht 1945 als Gutssekretärin in Ostpreußen. Als sie im Februar 1945 zur Zwangsarbeit eingezogen werden sollte, forderte Dora Garbade sie auf, zu ihr zu kommen und bot ihr an, sie auf dem Gutshof zu verstecken.


Neubeginn

Nach dem 2. Weltkrieg baute Dora Garbade in ihrer 15-jährigen Amtszeit als Vorsitzende den Landfrauenverband Weser-Ems erfolgreich zu einem starken Netzwerk auf. Sie arbeitete an neuen Organisationsformen mit, reiste durchs Land, um die Landfrauen zu Vereinsgründungen zu ermuntern und hielt Vorträge.

Kurz nachdem 1956 der 103. Landfrauenverein gegründet worden war, bekam sie als „Mutter der Landwirtschaft“ das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Mit ihrem "hohen geistigen Niveau" und „wenig typisch weiblichen Attributen“, wie über sie berichtet wurde, soll sie dabei kein mütterlicher Typ gewesen sein.

1960 war sie Mitgründerin des Evangelischen Dorfhelferinnenwerks Niedersachsen e.V., bis heute eine wichtige Unterstützung für Familien in Not.

1963 erhielt sie als erste Frau im Weser-Ems-Gebiet das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens verliehen, 1966 die Thaer-Thünen-Medaille in Silber von der Albrecht-Thaer-Gesellschaft.

Am 07.12.1981 starb Dora Garbade in Delmenhorst.

Im Landfrauenverband Weser-Ems sind heute rund 30.000 Frauen in über 180 Vereinen organisiert.


Text: Dr. Anke Sawahn / Anke Weisbrich

 

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Rundgang zum Selbstentdecken
Dora Garbade – Die Tatkräftige im ländlichen Raum
Faltblatt zum Herunterladen > HIER


Gedenktafel für Dora Garbade
, Gut Nutzhorn, Nutzhorn 5, Ganderkesee


Dora Garbade-Preis
Der Dora-Garbade-Preis wird jährlich durch den Niedersächsischen Land­Frauenverbandes Weser-Ems e. V. (NLF Weser-Ems) beim LandFrauentag verliehen. Der Preis wurde durch den Enkel von Dora Garbade, Dr. Skupin, initiiert und wird seitdem von ihm gestiftet. Die Auszeichnung wird an mutige, weitblickende und tatkräftige (Eigenschaften von Dora Garbade) landfrauen verliehen.
Informationen und Bewerbung: lfv@lwk-niedersachsen.de


Dora Garbade-Mettwurst

Nach traditionellem Rezept, erhältlich in
> Müllers Wurstdiele
info@muellers-wurstdiele.de

 

Der frauenORT Dora Garbade in Ganderkesee entstand in Kooperation mit dem LandFrauenverband Weser-Ems e.V., der Gleichstellungsbeauftragten des Landeskreises Oldenburg, der Gemeinde Ganderkesee und der regioVHS Ganderkesee-Hude und wurde im März 2013 eröffnet.

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